Doctor Who: Short Trips – The Wednesday That Wasn’t

Ein verlorener Mittwoch und die Kunst der kleinen Form

Verlorene Dinge haben eine eigenartige Anziehungskraft. Jeder kennt das Gefühl, wenn ein Schlüsselbund spurlos verschwindet, wenn ein Handschuh im Winter plötzlich nur noch als Einzelstück existiert oder wenn ein geliebtes Buch nach einem Umzug einfach nicht mehr auffindbar ist. Diese kleinen Alltagsmysterien begleiten das Leben wie ein leises Hintergrundrauschen, und die meisten Menschen haben sich irgendwann schon einmal gefragt, wohin all diese Dinge eigentlich verschwinden. Genau aus dieser universellen Erfahrung heraus entfaltet The Wednesday That Wasn’t seine Geschichte, ein rund vierzigminütiges Hörbuch aus der Short Trips Reihe von Big Finish Productions, das im Dezember 2025 erschienen ist und die Dreizehnte Doktorin auf eine ebenso skurrile wie berührende Reise schickt.

Die Prämisse ist von jener Sorte, die sofort ein Grinsen ins Gesicht zaubert: Irgendwo im Universum existiert das Galactic Lost Property Office, das galaktische Fundbüro, in dem all das aufbewahrt wird, was das Universum verlegt hat. Ein Schal von Trenzalore, ein Regenschirm von Peladon, die üblichen Fundsachen eines kosmischen Alltags eben. Doch eines Tages wird dort etwas abgegeben, das jede Vorstellungskraft sprengt: ein kompletter Mittwoch. Ein ganzer verlorener Tag, sicher verwahrt in einer Stasissphäre. Und natürlich taucht kurz darauf die Doktorin auf, die behauptet, sie habe diesen Tag in Sicherheit gebracht, bevor ihn jemand fortgewünscht hat. Das Problem: Sie ist nicht die Einzige, die Anspruch auf den verlorenen Mittwoch erhebt. Vor ihr in der Warteschlange steht eine höchst zwielichtige Gesellschaft, und der Tag selbst erweist sich als lose, gefährlich und alles andere als harmlos.

Wer diese Ausgangslage liest, denkt unweigerlich an Douglas Adams, und dieser Eindruck täuscht nicht. Die Geschichte atmet den Geist von Per Anhalter durch die Galaxis in beinahe jeder Szene: die absurde Bürokratie eines kosmischen Fundbüros, die trockene Komik, mit der das Unmögliche als völlig alltäglich behandelt wird, die satirischen Seitenhiebe auf Verwaltungsapparate und Besitzansprüche. Adams selbst hat bekanntlich in den späten Siebzigerjahren als Autor und Script Editor für Doctor Who gearbeitet, und seine DNA steckt bis heute tief in der Serie. Dass ein Kurzhörbuch aus dem Jahr 2025 diesen Tonfall so mühelos wiederbelebt, ohne dabei wie eine bloße Kopie zu wirken, gehört zu den größten Stärken dieser Produktion.

Ein Wettbewerb mit Geschichte

Um zu verstehen, warum dieses Hörbuch eine besondere Stellung einnimmt, lohnt ein Blick auf seine Entstehungsgeschichte. The Wednesday That Wasn’t ist der Gewinnerbeitrag der Paul Spragg Memorial Short Trip Opportunity des Jahres 2025, eines Schreibwettbewerbs, den Big Finish jährlich zu Ehren von Paul Spragg ausrichtet. Spragg arbeitete als Assistent der Produzenten bei Big Finish und galt als leidenschaftlicher Förderer neuer Schreibtalente. Sein früher Tod im Jahr 2014 hinterließ eine große Lücke im Unternehmen, und der Wettbewerb hält seither sein Andenken lebendig. Jahr für Jahr können angehende Autorinnen und Autoren eine Idee für ein Doctor Who Abenteuer einreichen, und der Gewinnerbeitrag wird anschließend professionell produziert und als Hörbuch in der Short Trips Reihe veröffentlicht.

Das Jahr 2025 markierte bereits die zehnte Ausgabe dieses Wettbewerbs, ein kleines Jubiläum also, das der Veröffentlichung zusätzliches Gewicht verleiht. Besonders bewegend ist das Veröffentlichungsdatum: Das Hörbuch erschien am 29. Dezember 2025, dem Tag, an dem Paul Spragg seinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert hätte. Solche Gesten mögen klein erscheinen, doch sie zeigen, mit wie viel Herz und Respekt Big Finish dieses Erbe pflegt. Der Wettbewerb ist mehr als eine Marketingmaßnahme, er ist eine echte Tür für neue Stimmen in einem Franchise, das seit über sechzig Jahren existiert und in dem etablierte Namen naturgemäß den Ton angeben. Dass die Gewinnergeschichten, darunter frühere Titel wie Forever Fallen oder The World Tree, allesamt kostenlos zum Download bereitstehen, unterstreicht diesen Gedanken zusätzlich. Auch The Wednesday That Wasn’t kostet keinen Cent, ein kostenloses Konto auf der Website von Big Finish genügt.

Das Thema des Wettbewerbs im Jahr 2025 war die Dreizehnte Doktorin, was kein Zufall war. Die Ausschreibung fiel zeitlich mit dem Start der Thirteenth Doctor Adventures zusammen, einer neuen Hörspielserie mit vollem Ensemble, in der Jodie Whittaker und Mandip Gill erstmals ihre Fernsehrollen für Big Finish wieder aufnehmen. The Wednesday That Wasn’t fungiert damit gewissermaßen als charmanter Türöffner für eine ganze neue Ära der Dreizehnten Doktorin im Audioformat. Bemerkenswert ist dabei ein kleines Stück Geschichte: Es handelt sich um den allerersten Short Trip mit der Dreizehnten Doktorin überhaupt, und zugleich feiern Yasmin Khan, Graham O’Brien und Ryan Sinclair in dieser Produktion ihr Debüt im Big Finish Kosmos. Für eine kostenlose Kurzgeschichte ist das eine erstaunliche Menge an Premieren.

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Ein Ehering als Funke

Hinter der Geschichte steht Luke Hollands, dessen Weg zum Gewinnertext beinahe selbst wie eine kleine Doctor Who Episode klingt. Hollands hat erzählt, dass die Idee an einem bitterkalten Januartag entstand. Er war mit dem Fahrrad unterwegs, um Milch zu kaufen, als ihm der Ehering vom Finger rutschte und spurlos verschwand. Trotz intensiver Suche und selbst aufgehängter Plakate blieb der Ring verschollen. Aus diesem sehr persönlichen, sehr irdischen Verlust erwuchs die Frage, die der Geschichte zugrunde liegt: Wohin verschwinden all die verlorenen Dinge? Was geschieht mit diesen alltäglichen Rätseln, die sich nie auflösen lassen? Als der Wettbewerb ausgeschrieben wurde, hatte Hollands die Idee eines Ortes für Verlorenes und Gefundenes bereits im Kopf und begann, Listen von Dingen zu schreiben, die verloren gehen könnten.

Diese Entstehungsgeschichte ist mehr als eine hübsche Anekdote, denn sie erklärt, warum die Geschichte trotz all ihrer kosmischen Absurdität so geerdet wirkt. Der verlorene Mittwoch ist im Kern nichts anderes als der verlorene Ehering, nur ins Unermessliche vergrößert. Es geht um das Gefühl, dass etwas fehlt, das eigentlich da sein müsste, um die Lücke, die Verlorenes hinterlässt, und um die leise Hoffnung, dass das Verschwundene irgendwo weiterexistiert und vielleicht sogar zurückkehren könnte. Wer schon einmal etwas wirklich Wichtiges verloren hat, wird diese emotionale Grundierung sofort wiedererkennen. Die besten Doctor Who Geschichten funktionieren genau so: Sie nehmen eine zutiefst menschliche Erfahrung und übersetzen sie in die Sprache von Raum und Zeit.

Das Fundbüro am Ende des Universums

Das Galactic Lost Property Office ist ein Schauplatz, wie er im Buche steht, und man fragt sich beim Hören unweigerlich, warum in sechs Jahrzehnten Doctor Who noch niemand auf diese Idee gekommen ist. Ein Ort, an dem das Universum seine verlegten Dinge sammelt, bietet schier endlose erzählerische Möglichkeiten, und die Geschichte kostet dieses Potenzial mit sichtbarer Freude aus. Gehütet wird dieser bemerkenswerte Ort von Edna Tarron, der einzigen Verwalterin des Fundbüros, einer Figur, die von der Vorleserin Clare Corbett ausdrücklich als wunderschön gezeichnete Hauptfigur gelobt wurde. Corbett, die selbst in der Jury des Wettbewerbs saß, beschrieb den Text als brillant getaktetes, originelles Stück Schreibarbeit, und dieses Urteil lässt sich beim Hören gut nachvollziehen.

Edna ist der heimliche Star der Produktion. Während die Doktorin naturgemäß den vertrauten Wirbelwind aus Neugier, Redseligkeit und moralischer Unbeirrbarkeit mitbringt, verkörpert Edna die stille Poesie des Schauplatzes. Wer Tag für Tag die verlorenen Dinge des Universums verwaltet, entwickelt zwangsläufig eine besondere Beziehung zum Verlieren und Vermissen, und die Geschichte nutzt diese Figur, um ihren komödiantischen Ton immer wieder mit echter Wärme zu unterfüttern. Es ist ein klassischer Doctor Who Kniff: Die Serie war schon immer am stärksten, wenn sie ihre großen kosmischen Ideen an kleinen, glaubwürdigen Figuren festmachte, an Menschen oder menschenähnlichen Wesen, deren Alltag von der Ankunft der Doktorin auf den Kopf gestellt wird.

Die Handlung selbst entwickelt sich als eine Art Wettstreit um den Besitz des verlorenen Tages. Die Doktorin ist nicht allein gekommen, denn drei weitere Bittsteller erheben Anspruch auf den Mittwoch, und ihre Absichten sind erkennbar weniger nobel. Diese Konstellation verleiht der Geschichte trotz ihrer kurzen Laufzeit einen echten dramatischen Motor. Es geht nicht nur darum, ein skurriles Konzept zu bestaunen, sondern um eine handfeste Auseinandersetzung mit Einsatz, Gegenspielern und wachsender Gefahr, denn ein loser, entfesselter Tag ist eben kein harmloses Kuriosum, sondern eine Bedrohung. Die Vorstellung, dass Zeit selbst zum Fundstück werden kann, das man beanspruchen, stehlen oder missbrauchen könnte, ist herrlich verspielt und zugleich unheimlich genug, um Spannung zu erzeugen.

Wacky, timey-wimey und trotzdem mit Herz

Der Humor der Geschichte verdient eine eigene Betrachtung, denn er ist ihr auffälligstes Markenzeichen. Big Finish selbst bewarb die Produktion als schrilles, verspieltes Abenteuer im Geiste von Douglas Adams, und tatsächlich stapeln sich die komischen Einfälle in einer Dichte, die für ein Format von knapp vierzig Minuten bemerkenswert ist. Da ist zunächst die Grundidee der kosmischen Bürokratie: Ein Fundbüro lebt von Formularen, Warteschlangen, Zuständigkeiten und Regeln, und wenige Dinge sind komischer, als wenn das Schicksal des Universums plötzlich davon abhängt, wer in der Schlange weiter vorne steht. Diese Art von Satire hat in Doctor Who eine lange Tradition, man denke nur an die absurden Verwaltungswelten klassischer Serials oder an die bissigen Behördenparodien der neueren Staffeln.

Dazu kommen die kleinen Anspielungen, die für langjährige Fans wie Konfetti über die Geschichte gestreut sind. Der Schal von Trenzalore und der Regenschirm von Peladon im Werbetext sind nur der Anfang, denn im Hörbuch selbst finden sich weitere augenzwinkernde Namensnennungen und Verweise, darunter ein Gruß in Richtung der 699 Wunder des Universums, einer jener wunderbar beiläufigen Weltenbau-Details, die das Whoniversum seit Jahrzehnten so reich machen. Solche Referenzen sind nie Selbstzweck, sie bleiben Beiwerk und versperren Neulingen nicht den Zugang. Wer sie erkennt, freut sich, wer nicht, verliert nichts. Genau so sollte Fanservice funktionieren.

Was den Humor aber wirklich trägt, ist die Tatsache, dass er nie kalt wird. Adams selbst war ja nie nur ein Witzeschreiber, seine Komik hatte stets ein melancholisches Fundament, eine Ahnung von der Absurdität und Vergänglichkeit aller Dinge. The Wednesday That Wasn’t versteht diesen Doppelboden. Unter all den skurrilen Einfällen liegt eine Geschichte über Verlust, über das Vermissen, über die Frage, was ein einzelner Tag wert ist und wem er gehört. Ein Mittwoch klingt zunächst wie der unspektakulärste aller Wochentage, kein Wochenende, kein Neuanfang, einfach nur Mitte. Doch genau darin steckt die Pointe: Auch die unscheinbaren Tage sind Lebenszeit, auch sie enthalten Begegnungen, Entscheidungen, kleine Momente, die niemandem genommen werden dürfen. Wenn die Geschichte am Ende zu einem hoffnungsvollen Abschluss findet, der die verschiedenen Fäden sauber zusammenführt, fühlt sich das nicht aufgesetzt an, sondern verdient.

Die Dreizehnte Doktorin, wie man sie kennt

Für die Dreizehnte Doktorin ist diese Geschichte ein bemerkenswert guter Anzug. Jodie Whittakers Inkarnation lebte im Fernsehen von einer ganz bestimmten Energie: atemlose Begeisterung, ein Mund, der schneller ist als jeder Plan, ein tiefes Mitgefühl für die Übersehenen und Vergessenen, dazu eine kindliche Freude an den Wundern des Universums. All das findet sich hier wieder. Eine Doktorin, die in einem kosmischen Fundbüro auftaucht und mit größter Selbstverständlichkeit einen verlorenen Wochentag zurückfordert, das ist eine Szene, die man sich mit Whittakers Gesicht und Tonfall sofort lebhaft vorstellen kann. Die Geschichte trifft ihren Sprachrhythmus, ihre Mischung aus Geplapper und plötzlichem Ernst, und das ist keine Selbstverständlichkeit, denn gerade diese Inkarnation lebt stark von ihrer spezifischen Sprechweise.

Interessant ist auch die Struktur der Geschichte in Bezug auf die Begleiter. Die Doktorin beginnt ihr Abenteuer allein, doch im Verlauf der Erzählung streifen ihre Reisen frühere Erlebnisse mit ihrer sogenannten Fam: Yasmin Khan, Ryan Sinclair und Graham O’Brien. Diese Konstruktion ist geschickt gewählt, denn sie erlaubt der Geschichte, das vertraute Ensemble der Ära einzubinden, ohne die kompakte Laufzeit mit einem vollen Figurenaufgebot zu überfrachten. Zugleich passt das Motiv der zurückliegenden gemeinsamen Erlebnisse thematisch perfekt zu einer Geschichte über verlorene Zeit und Erinnerung. Die Fam war für die Dreizehnte Doktorin immer mehr als bloßes Begleitpersonal, sie war ihre gewählte Familie, und dass ausgerechnet ein Abenteuer über einen verlorenen Tag diese Bindungen aufblitzen lässt, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche emotionale Ebene.

Für die Chronistenpflicht sei festgehalten, dass Yaz, Ryan und Graham mit dieser Produktion zum ersten Mal überhaupt in einer Big Finish Geschichte auftauchen. Das mag auf dem Papier wie eine Fußnote wirken, ist aber für die Sammlerinnen und Sammler des Whoniversums ein echter Meilenstein, denn Big Finish hat über die Jahre nahezu jede Ära der Serie ins Audioformat geholt, und die Ära der Dreizehnten Doktorin war lange ein weißer Fleck auf dieser Landkarte. Dass dieser weiße Fleck ausgerechnet mit einer kostenlosen, von einem Wettbewerbsgewinner geschriebenen Kurzgeschichte erschlossen wird, hat etwas ausgesprochen Sympathisches. Es passt zur Philosophie dieser Ära, die im Fernsehen stets betonte, dass jeder Mensch außergewöhnliche Dinge tun kann.

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Eine Stimme für ein ganzes Universum

Ein Short Trip ist kein Hörspiel mit vollem Ensemble, sondern ein erzähltes Hörbuch, und damit steht und fällt alles mit der Person am Mikrofon. Hier heißt diese Person Clare Corbett, eine erfahrene Sprecherin, die dem Big Finish Publikum längst vertraut ist und die zudem der Jury des Wettbewerbs angehörte. Sie kannte den Text also nicht nur als Auftrag, sondern hatte ihn bereits als Jurymitglied schätzen gelernt, und diese Vertrautheit ist hörbar. Corbett navigiert mit beeindruckender Leichtigkeit durch das Figurenkabinett der Geschichte: die quirlige, überdrehte Doktorin, die wunderbar bodenständige Edna, die zwielichtigen Mitbewerber um den verlorenen Tag, dazu die erzählenden Passagen, die den Douglas Adams Tonfall mit trockener Präzision servieren müssen.

Gerade bei einer humoristischen Geschichte ist das Vorlesen eine Gratwanderung. Wer die Pointen zu stark betont, zerstört sie, wer sie zu beiläufig behandelt, lässt sie verpuffen. Corbett findet die Balance, indem sie dem Text vertraut. Die komischen Momente dürfen atmen, die absurden Ideen werden mit jener todernsten Sachlichkeit vorgetragen, die absurde Ideen erst richtig komisch macht, und in den leiseren Passagen nimmt sie das Tempo spürbar zurück, sodass die emotionalen Untertöne Raum bekommen. Ihre Interpretation der Doktorin verzichtet klugerweise auf eine reine Imitation von Jodie Whittaker und fängt stattdessen die Essenz der Figur ein, den Rhythmus, die Energie, die plötzlichen Tonartwechsel. Das ist die hohe Kunst des erzählten Hörbuchs, und sie wird hier souverän beherrscht.

Die Kunst der kleinen Form

Die Short Trips Reihe ist innerhalb des riesigen Big Finish Katalogs eine Besonderheit, und The Wednesday That Wasn’t führt exemplarisch vor, warum dieses Format so wertvoll ist. Eine knappe Dreiviertelstunde ist zu kurz für ausufernde Handlungsbögen, für Nebenplots und große Ensembles. Stattdessen zwingt das Format zur Konzentration: eine Idee, ein Schauplatz, eine Handvoll Figuren, ein emotionaler Kern. Viele der besten Doctor Who Geschichten aller Zeiten sind im Grunde genau so gebaut, nur eben auf Episodenlänge gestreckt. Die kleine Form legt diese Struktur frei und macht aus der Beschränkung eine Tugend.

Hollands nutzt die verfügbare Zeit mit erkennbarem Geschick. Die Geschichte verliert keine Minute mit überflüssiger Exposition, die Prämisse ist innerhalb weniger Momente etabliert, und danach folgt Einfall auf Einfall, ohne dass die Erzählung hektisch wirken würde. Das Lob der brillanten Taktung, das Corbett dem Text ausgesprochen hat, trifft den Kern: Es gibt einen klaren Spannungsbogen vom skurrilen Auftakt über die Eskalation des Konflikts um den losen, gefährlichen Tag bis zur hoffnungsvollen Auflösung, und dieser Bogen sitzt. Dass sich die Geschichte am Ende ordentlich rundet und ihre Motive zusammenführt, wurde auch andernorts hervorgehoben, und tatsächlich hinterlässt der Schluss jenes zufriedene Gefühl, das gute Kurzgeschichten von bloß netten unterscheidet.

Bemerkenswert ist außerdem, wie zugänglich das Ganze bleibt. Es braucht keinerlei Vorwissen über frühere Hörspiele, keine Kenntnis verschachtelter Kontinuität, nicht einmal zwingend vertieftes Wissen über die Fernsehära der Dreizehnten Doktorin. Wer grob weiß, wer die Doktorin ist und dass sie mit einer blauen Telefonzelle durch Raum und Zeit reist, hat alles Nötige im Gepäck. Genau deshalb wurde die Produktion auch schon als idealer Einstiegspunkt für alle beschrieben, die das Short Trips Format zum ersten Mal ausprobieren möchten. Da der Download kostenlos ist, gibt es buchstäblich keine Hürde: kein finanzielles Risiko, keine zeitliche Investition von mehreren Stunden, nur vierzig Minuten und ein kostenloses Benutzerkonto.

Klang, Musik und das Drumherum

Auch wenn ein Short Trip in erster Linie von Text und Stimme lebt, verdient die Produktionsseite Erwähnung. Big Finish hat über zwei Jahrzehnte einen Ruf für hochwertige Audioproduktionen aufgebaut, und dieser Standard gilt auch für die kleinen, kostenlosen Veröffentlichungen. Die Aufnahme entstand im September 2025 im Studio The Soundhouse, und das Ergebnis klingt so sauber und atmosphärisch, wie man es von diesem Haus gewohnt ist. Musik und Klanggestaltung unterstützen die Erzählung dezent, verstärken die komischen Spitzen ebenso wie die nachdenklichen Momente und geben dem Fundbüro am Rande des Vorstellbaren eine akustische Identität, ohne der Stimme jemals die Bühne streitig zu machen.

Dazu kommt ein Paket an Bonusmaterial, das für eine Gratisveröffentlichung geradezu verschwenderisch wirkt. Enthalten sind Interviews mit Blicken hinter die Kulissen, eine eigene Musiksuite sowie zwei besonders spannende Dokumente im PDF-Format: das finale Studioskript und die ursprüngliche Wettbewerbseinreichung von Luke Hollands. Gerade dieser letzte Punkt ist ein kleiner Schatz für alle, die sich für das Schreiben interessieren. Der direkte Vergleich zwischen der eingereichten Fassung und dem fertigen Skript zeigt, wie eine Idee im professionellen Lektorat und in der Zusammenarbeit mit einer Redaktion wächst, was gestrafft, was geschärft, was ausgebaut wird. Für angehende Autorinnen und Autoren, und der Wettbewerb richtet sich ja genau an diese Zielgruppe, ist das anschaulicher als jeder Schreibratgeber.

Einordnung in ein größeres Bild

The Wednesday That Wasn’t erscheint zu einem interessanten Zeitpunkt. Mit den Thirteenth Doctor Adventures beginnt bei Big Finish eine neue Ära, in der Jodie Whittaker und Mandip Gill ihre Rollen als Doktorin und Yaz in vollwertigen Hörspielen fortführen. Die Ära der Dreizehnten Doktorin war im Fernsehen bekanntlich nicht unumstritten, die Meinungen über Drehbücher und erzählerische Entscheidungen gingen weit auseinander, doch an Whittakers Spielfreude und an der grundsätzlichen Anziehungskraft ihrer Interpretation zweifelten selbst viele Kritiker der Ära nicht. Big Finish hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass das Audioformat unterschätzten Doktoren und Ären eine zweite Blüte schenken kann, die Sechste und die Achte Inkarnation sind die berühmtesten Beispiele. Vieles spricht dafür, dass der Dreizehnten ein ähnlicher Weg offensteht, und dieser kleine, kostenlose Short Trip ist der erste Schritt auf diesem Weg.

In diesem Licht betrachtet ist die Geschichte mehr als eine hübsche Fingerübung. Sie ist ein Versprechen. Sie zeigt, dass diese Doktorin im Audioformat funktioniert, dass ihr Tonfall sich schreiben und sprechen lässt, dass ihre Ära genug erzählerisches Material und emotionale Resonanz besitzt, um neue Geschichten zu tragen. Und sie zeigt, dass der Geist der Ära, ihre Betonung von Hoffnung, Freundlichkeit und der Bedeutung gewöhnlicher Menschen, sich nahtlos in die Traditionen des Franchise einfügt. Ein Fundbüro für die verlorenen Dinge des Universums, verwaltet von einer einzelnen, pflichtbewussten Seele, das ist eine Idee, die in jeder Ära der Serie funktioniert hätte, von William Hartnell bis heute.

Zugleich reiht sich die Veröffentlichung in die inzwischen zehnjährige Geschichte des Paul Spragg Wettbewerbs ein, und diese Geschichte ist für sich genommen bemerkenswert. Zehn Gewinnergeschichten in zehn Jahren, geschrieben von Menschen, die vorher nie professionell für das Franchise gearbeitet hatten, alle kostenlos verfügbar, alle professionell produziert. Manche der früheren Gewinnerinnen und Gewinner haben inzwischen weitere Aufträge im erweiterten Whoniversum erhalten. Der Wettbewerb ist damit genau das geworden, was ein Andenken an einen Förderer neuer Talente sein sollte: keine bloße Geste, sondern eine funktionierende Institution.

Zeit als Erzählstoff

Es lohnt sich, noch einen Moment bei der zentralen Idee zu verweilen, denn sie berührt etwas, das Doctor Who seit jeher im Innersten ausmacht. Die Serie handelt vordergründig von Zeitreisen, doch ihre besten Momente handeln von Zeit selbst: von ihrer Kostbarkeit, ihrer Vergänglichkeit, ihrer Ungerechtigkeit. Unzählige Episoden haben durchgespielt, was geschieht, wenn Zeit gestohlen, eingefroren, wiederholt oder ausgelöscht wird. The Wednesday That Wasn’t fügt diesem Motivschatz eine neue Variante hinzu, indem es die Frage stellt, was passiert, wenn ein Tag schlicht verloren geht, so beiläufig, wie ein Ring von einem kalten Finger rutscht. Nicht gestohlen von einem finsteren Imperium, nicht ausgelöscht durch einen Paradoxieunfall, sondern fortgewünscht und verlegt, wie ein Alltagsgegenstand.

Diese Beiläufigkeit ist der eigentliche Geniestreich der Prämisse. Denn sie verschiebt die Perspektive vom Spektakulären zum Alltäglichen. Jeder Mensch verliert Tage, nicht im wörtlichen, aber im übertragenen Sinne: Tage, die im Rückblick verschwimmen, an die sich niemand erinnert, die einfach durchgerutscht sind zwischen all den wichtigeren Terminen. Die Geschichte nimmt diese Erfahrung und macht sie wörtlich, und plötzlich steht eine Frage im Raum, die weit über das Science-Fiction-Szenario hinausreicht: Was ist ein gewöhnlicher Tag eigentlich wert? Wem gehört er? Und was würde fehlen, wenn er nie stattgefunden hätte? Dass ausgerechnet ein Mittwoch verloren geht, der Inbegriff des unspektakulären Wochentags, ist dabei kein Zufall, sondern die Pointe selbst. Ein verlorener Samstag wäre eine Tragödie, ein verlorener Mittwoch ist zunächst ein Witz, und genau aus dieser Fallhöhe zwischen Witz und Tragödie schlägt die Geschichte ihre Funken.

Auch die hoffnungsvolle Grundstimmung verdient in diesem Zusammenhang Beachtung. Die Ära der Dreizehnten Doktorin stand im Fernsehen unter dem Leitmotiv der Hoffnung, der Freundlichkeit und des Glaubens an das Gute im Gewöhnlichen, und die Geschichte übersetzt dieses Ethos in ihre kleine Form. Das Fundbüro ist ja im Kern eine zutiefst optimistische Institution: Es existiert nur, weil irgendjemand daran glaubt, dass Verlorenes zurückkehren kann, dass es sich lohnt, Dinge aufzubewahren, zu etikettieren und bereitzuhalten für den Tag, an dem die rechtmäßige Besitzerin durch die Tür tritt. Diese stille Zuversicht durchzieht die gesamte Erzählung und macht sie zu einem angenehm warmen Hörerlebnis in einer Zeit, in der Science-Fiction gern düster und zynisch daherkommt.

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Ein Wort zur Reihe und ihrem Zuhause

Für alle, die mit dem Kosmos von Big Finish noch nicht vertraut sind, sei der Rahmen kurz abgesteckt. Das britische Studio produziert seit 1999 lizenzierte Doctor Who Hörspiele und Hörbücher und hat in dieser Zeit einen Katalog von schwindelerregendem Umfang aufgebaut, mit hunderten Produktionen quer durch alle Epochen der Serie. Viele der originalen Fernsehdarsteller sind an Bord, ganze Ären wurden im Audioformat fortgeschrieben, und manche Geschichten aus diesem Katalog gelten unter Fans längst als ebenbürtig mit den besten Fernsehepisoden. Die Short Trips bilden innerhalb dieses Angebots die kompakte Erzählschiene: kurze, von einer einzelnen Stimme gelesene Geschichten, die sich auf eine Idee konzentrieren und oft gerade deshalb im Gedächtnis bleiben.

Dass ausgerechnet diese Reihe als Bühne für den Nachwuchswettbewerb dient, ist folgerichtig gedacht. Eine Kurzgeschichte ist die ideale Prüfung für erzählerisches Handwerk, denn sie verzeiht keine Längen und keine Ausflüchte. Wer auf vierzig Minuten eine Welt errichten, Figuren zum Leben erwecken, einen Konflikt entfalten und auflösen kann, beherrscht das Fundament des Geschichtenerzählens. Die bisherigen zehn Gewinnergeschichten des Wettbewerbs bilden zusammengenommen inzwischen eine eigene kleine Anthologie, die sich komplett kostenlos durchhören lässt, von Forever Fallen über Landbound und The World Tree bis zu War Stories und nun eben dem verlorenen Mittwoch. Wer sich einmal durch diese Sammlung arbeitet, erlebt ganz nebenbei einen Querschnitt durch verschiedene Doktoren, Tonlagen und Erzählansätze, ein kostenloses Kompendium dessen, was dieses Franchise in der kleinen Form leisten kann.

Kleine Einschränkungen

Bei aller Begeisterung wäre es unehrlich, die Grenzen der Produktion zu verschweigen. Wer mit dem verspielten, ins Absurde neigenden Humor der Douglas Adams Schule grundsätzlich fremdelt, wird auch hier nicht bekehrt werden. Die Geschichte trägt ihre Schrulligkeit mit Stolz vor sich her, und wer Doctor Who lieber düster, hart und kompromisslos mag, im Stil eines klassischen Horror-Serials oder eines beklemmenden Zukunftsszenarios, findet hier eher ein Dessert als eine Hauptmahlzeit. Auch die kurze Laufzeit setzt naturgemäß Grenzen: Die drei zwielichtigen Mitbewerber um den verlorenen Mittwoch bleiben eher Typen als voll ausgearbeitete Figuren, und wer sich in das Konzept des galaktischen Fundbüros verliebt, wird sich am Ende wünschen, dort noch deutlich mehr Zeit verbringen zu dürfen. Doch dieser letzte Punkt ist im Grunde kein Vorwurf, sondern das größte Kompliment, das man einer Kurzgeschichte machen kann: Sie hört auf, bevor man genug hat.

Man könnte außerdem anmerken, dass die Geschichte in ihrer Struktur einem vertrauten Muster folgt, dem Wettstreit um ein begehrtes Objekt mit anschließender Eskalation. Doch Originalität liegt hier weniger im Bauplan als in der Ausstattung, und die ist vom ersten bis zum letzten Einfall frisch. Ein Wochentag als Fundsache, das hat es so noch nicht gegeben, und allein diese eine Idee trägt weiter als so mancher aufwendige Mehrteiler.

Ein Tag, der bleibt

Am Ende bleibt der Eindruck einer kleinen, liebevoll gemachten und erstaunlich vielschichtigen Produktion. The Wednesday That Wasn’t ist zugleich eine warmherzige Komödie über kosmische Bürokratie, eine leise Meditation über Verlust und den Wert gewöhnlicher Tage, ein würdiges Andenken an einen geschätzten Kollegen, ein gelungenes Debüt für die Dreizehnte Doktorin und ihre Fam im Big Finish Universum und ein Schaufenster für ein neues Schreibtalent, dessen Weg man im Auge behalten sollte. Dass all das in rund vierzig Minuten Platz findet und keinen Cent kostet, grenzt an ein kleines Wunder, vielleicht das siebenhundertste Wunder des Universums.

Wer also an einem verregneten Nachmittag, auf dem Weg zur Arbeit oder beim Kochen vierzig Minuten übrig hat, sollte diesem verlorenen Mittwoch eine Chance geben. Die Geschichte erinnert daran, dass hinter jedem verschwundenen Gegenstand, hinter jedem verlorenen Ring und jedem verlegten Schlüssel eine kleine Geschichte steckt, und dass es sich lohnt, den Dingen nachzutrauern und ihnen zugleich mit Neugier hinterherzuschauen. Vielleicht liegt der eigene verlorene Handschuh ja tatsächlich irgendwo in einem gut sortierten Regal am Rande des Universums, sorgfältig etikettiert, geduldig wartend. Ein schönerer Gedanke ist an einem gewöhnlichen Mittwoch kaum zu haben.

Doctor Who: Short Trips – The Wednesday That Wasn’t

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Hörspiel-Details

Produktion & Crew

  • Cover-Gestaltung Rafe Wallbank
  • Geschrieben von Luke Hollands
  • Redaktion (Script Editor) Peter Anghelides
  • Produzent Peter Anghelides
  • Leitender Produzent John Ainsworth
  • Ausführende Produzenten Nicholas Briggs, Jason Haigh-Ellery
  • Sounddesign Alistair Lock
  • Musik Alistair Lock

Sprecher & Rollen

  • Erzählerin Clare Corbett

Verantwortlicher Experte für diesen Artikel:

Profilbild von Sebastian Stelling
Sebastian Stelling
Aufgabenbereich: Administrator, Online-Marketing, Redakteuer, Social Media

Hallo, ich bin Sebastian, der Kopf hinter Audio Dramas Europe. Meine Liebe zu Hörspielen begann schon in den 80er- und 90er-Jahren, als Klassiker wie Die drei ???, TKKG oder Benjamin Blümchen meine ständigen Begleiter waren. Diese Faszination für das akustische Erzählen hat mich nie wieder losgelassen. Heute teile ich meine Leidenschaft auf dieser Plattform und stelle euch Hörspiele aus ganz Europa vor, von bekannten Klassikern bis zu unentdeckten Perlen der Independent-Szene. Dabei verstehe ich mich als Vermittler und Kurator: Ich produziere selbst keine Hörspiele, sondern möchte Brücken bauen, zwischen Fans, Produzenten und Sprechern. Wenn auch du Hörspiele liebst, freue ich mich, dich auf dieser Reise zu begleiten.

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