
Wenn der Traum zum Nachtwächter des Todes wird
Wer sich mit dem Namen Sebastian Fitzek beschäftigt, verbindet damit meist ein bestimmtes Versprechen. Psychothriller mit Tempo, mit überraschenden Wendungen, mit Figuren, die in Extremsituationen geraten und aus denen sich Fitzek über Jahre einen festen Platz auf den Bestsellerlisten erarbeitet hat. Mit dem Audible Original Hörspiel REM verlässt der Autor diesen gewohnten Pfad allerdings ein Stück weit, und das nicht allein aus eigenem Antrieb. Gemeinsam mit Annika Strauss, die im deutschsprachigen Raum längst als eine der prägenden Stimmen im Horrorgenre gilt, entsteht mit REM eine Produktion, die sich klar als übernatürliches Horror-Hörspiel versteht und weniger als klassischer Thriller. Diese Verschiebung ist der erste Punkt, den man verstehen sollte, bevor man sich in die gut fünf Stunden Spielzeit hineinbegibt, denn wer den gewohnten Fitzek-Sound erwartet, bekommt hier bewusst etwas anderes vorgesetzt.
Ein Bild, das nicht verblasst
Der Kerngedanke von REM lässt sich in einem einzigen beunruhigenden Bild zusammenfassen. Träume verschwinden normalerweise mit dem Aufwachen, sie verblassen, man erinnert sich bestenfalls bruchstückhaft. In der Welt von REM ist das anders. Die Träume bleiben nicht im Kopf, sondern werden aufgezeichnet, abrufbar, wieder und wieder ansehbar wie eine Aufnahme auf einem Bildschirm. Was zunächst nach einer faszinierenden Spielerei klingt, entpuppt sich schnell als Fluch, denn der nächste Schlaf könnte für die betroffene Person der letzte sein. Aus dieser simplen, aber wirkungsvollen Prämisse bauen Fitzek und Strauss eine Geschichte, die Schlaf, der eigentlich ein Ort der Erholung sein sollte, in eine Bedrohung verwandelt. Genau in diesem Kontrast liegt ein Großteil der Wirkung des Hörspiels. Etwas so Alltägliches und Unausweichliches wie das Einschlafen wird zur Quelle von Angst, und das trifft einen Nerv, weil sich niemand dauerhaft gegen den Schlaf wehren kann. Genau darin liegt die eigentliche Raffinesse der Prämisse. Andere Horrorgeschichten arbeiten mit Monstern, mit Häusern, mit Flüchen, die sich meiden lassen, wenn man nur bestimmte Orte oder Rituale umgeht. Der Schlaf hingegen lässt sich nicht dauerhaft umgehen, kein Mensch kann sich beliebig lange wach halten, irgendwann übernimmt der Körper das Kommando, ganz gleich, wie groß die Angst zuvor gewesen sein mag. Damit entsteht eine Bedrohung, die sich nicht durch Flucht oder Kampf bewältigen lässt, sondern die mit jeder verstreichenden Minute näher rückt, fast wie eine unsichtbare Uhr, die permanent mitläuft. Diese Unentrinnbarkeit erzeugt eine besondere Form von Spannung, die sich von klassischen Verfolgungsjagden oder Konfrontationen mit einem sichtbaren Gegner deutlich unterscheidet. Wo andere Geschichten auf Sichtbarkeit setzen, auf ein Gesicht, dem man sich stellen kann, verlagert REM die Bedrohung in einen Zustand, den jeder Mensch täglich durchläuft, ohne ihn kontrollieren zu können. Für die Erzählstruktur bedeutet das, dass jede Szene, in der eine Figur müde wird, in der die Augenlider schwer werden, automatisch eine unterschwellige Alarmstufe erhält, ganz ohne dass ein zusätzliches optisches oder akustisches Schockelement notwendig wäre.
Ein Mädchen, dem die Augen zufielen
Im Zentrum der Handlung steht Alysee. Als sie vier Jahre alt ist, fleht ihr Vater sie in panischer Angst an, um jeden Preis wach zu bleiben. Das kleine Mädchen kann diesem Wunsch jedoch nicht nachkommen, die Augen fallen ihr zu, wie es bei einem Kind in diesem Alter kaum anders zu erwarten ist. Als sie wieder aufwacht, ist der Vater tot, auf grausame Weise ermordet. Diese frühe Kindheitserfahrung prägt Alysee fortan, die Angst vor dem Einschlafen verlässt sie nie wieder, sie wächst mit dieser Wunde auf und trägt sie durch ihr gesamtes weiteres Leben. Jahre später erfährt sie, dass ihr verstorbener Vater ihr ein ehemaliges Luxushotel vermacht hat, gelegen an einem verlassenen Ort direkt an der deutsch-polnischen Grenze. Diese Nachricht setzt die eigentliche Handlung in Gang, denn Alysee erhofft sich von diesem Ort endlich Antworten über ihre Familie, über das, was ihrem Vater damals widerfahren ist, und vielleicht auch über die Ursache ihrer eigenen tief sitzenden Angst. Ein verlassenes Hotel als Schauplatz ist im Horrorgenre kein neues Motiv, aber die Kombination aus Familiengeschichte, ungeklärtem Mord und einem Ort, der eng mit Erinnerung und Trauma verknüpft ist, verleiht dem Setting eine persönliche Note, die über das bloße Gruselkulisse-Klischee hinausgeht. Hinzu kommt, dass Alysee nicht als passive Figur angelegt zu sein scheint, die den Ereignissen einfach ausgesetzt ist, sondern als jemand, der aktiv nach Antworten sucht, obwohl genau dieses Suchen sie in größere Gefahr bringt. Diese Spannung zwischen dem verständlichen Wunsch, endlich Klarheit über die eigene Familiengeschichte zu gewinnen, und der wachsenden Erkenntnis, dass jede neue Erkenntnis auch neue Risiken mit sich bringt, treibt die Handlung an. Ein Kind, das gezwungen war, mit einer unerklärlichen Katastrophe aufzuwachsen, entwickelt sich zu einer erwachsenen Frau, die endlich verstehen will, warum ihr Leben von Anfang an von dieser einen Nacht geprägt wurde. Dieser biografische Bogen, von der wehrlosen Vierjährigen zur handelnden Erwachsenen, gibt der Geschichte eine klare emotionale Richtung und macht Alysee zu einer Figur, mit der sich zuhören lässt, ohne dass ständig neue Erklärungen nötig wären, warum sie sich in ein derart gefährliches Umfeld begibt.

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Jetzt dem WhatsApp-Kanal beitretenEin Autor verlässt seinen vertrauten Schatten
Wer bereits andere Werke von Fitzek kennt, weiß um dessen Vorliebe für psychologische Verwicklungen, für unzuverlässige Erzähler, für Wendungen, die im letzten Drittel alles bisher Gesagte infrage stellen. In REM finden sich Elemente dieses Handwerks durchaus wieder, allerdings eingebettet in eine deutlich übernatürlichere Rahmenhandlung, als man es von den bekannten Thrillern gewohnt ist. Die Ankündigung selbst macht unmissverständlich klar, dass dies kein gewöhnlicher Fitzek-Thriller werden soll, sondern eine dunklere, fantastischere Welt, die von den beiden Autoren gemeinsam erschaffen wurde. Für langjährige Fans kann das eine willkommene Abwechslung sein, für andere möglicherweise eine kleine Umstellung, weil das gewohnte erdverbundene Bedrohungsszenario, das man aus Titeln wie den früheren Psychothrillern kennt, hier einem fantastischeren, traumartigen Element weicht.
Viele Stimmen für eine einzige Angst
Produziert wurde das Hörspiel von PARKUM Audio, verantwortlich für die Umsetzung als Audible Original. In den Hauptrollen sind Luna Wedler und Max Schimmelpfennig zu hören, beides Namen, die auch abseits von Hörspielen bereits im Film- und Serienbereich Erfahrung gesammelt haben. Insgesamt kommt eine große Besetzung zum Einsatz, gut zwanzig Sprecherinnen und Sprecher wirken an der Produktion mit, darunter auch Simon Jäger, der als Stammsprecher aus früheren Fitzek-Produktionen vielen Hörern bereits vertraut sein dürfte. Diese Fülle an Stimmen ist typisch für aufwendige Audible-Original-Hörspiele, bei denen nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch zahlreiche Nebenrollen mit eigenen Sprecherinnen und Sprechern besetzt werden, was der Produktion insgesamt eine filmische Tiefe verleiht. Wer mit den früheren Hörspielprojekten von Fitzek vertraut ist, kennt dieses Prinzip bereits aus der sogenannten Hörspieltrilogie, die 2012 ihren Anfang nahm und mittlerweile auf eine ganze Reihe von Titeln angewachsen ist. REM wird in vielen Beschreibungen bewusst in diese Tradition gestellt, was zeigt, dass Audible hier erneut auf ein bewährtes Produktionsmodell setzt, bei dem Musik, atmosphärische Klangkulisse und ein großes Ensemble zusammenkommen, um eine möglichst immersive Hörerfahrung zu erzeugen.
Wo die Stille lauter spricht als Worte
Genau dieser Anspruch an Atmosphäre ist bei einem Horror-Hörspiel entscheidend, vielleicht sogar entscheidender als bei einem klassischen Thriller. Ohne Bilder muss allein der Klang die Bedrohung erzeugen, muss Stille bedrohlich wirken können, müssen Geräusche im Hintergrund ein Gefühl von Unsicherheit auslösen. Ein verlassenes Hotel bietet dafür naturgemäß reichlich Potenzial, knarrende Dielen, hallende Flure, das Echo von Schritten in leeren Räumen. Die Machart der Produktion setzt erkennbar auf eine dichte Soundkulisse, die diese Grundstimmung unterstützen soll. Hinzu kommt ein hoher Erzähleranteil, ein Stilmittel, das bei Audible-Produktionen häufig eingesetzt wird und mittlerweile fast schon als hausinterner Standard gilt. Für manche Hörerinnen und Hörer trägt das zur Verständlichkeit bei, weil komplexe Szenenwechsel und innere Gedankengänge der Figuren klar eingeordnet werden können. Andere empfinden einen zu hohen Erzähleranteil mitunter als Bruch der Immersion, weil ständig eine Stimme von außen kommentiert, statt die Handlung rein über Dialoge und Geräusche zu transportieren. Bei REM scheint dieser Anteil tatsächlich vergleichsweise hoch zu sein, was aber offenbar viele Hörer nicht sonderlich stört, solange die Geschichte an sich mitreißend bleibt.
Die ersten Schritte in ein dunkles Haus
Ein Aspekt, der in ersten Rückmeldungen zur Produktion immer wieder auftaucht, betrifft den Einstieg in die Geschichte. Die ersten Kapitel scheinen gut zu funktionieren, sie bauen behutsam Atmosphäre auf, führen die zentralen Figuren ein und spannen einen Bogen, der neugierig macht. Genau dieses Gefühl, unbedingt wissen zu wollen, wie es weitergeht, gilt gemeinhin als das wichtigste Kriterium für ein gelungenes Hörspiel dieser Art. Wenn die ersten Stunden bereits Lust auf mehr machen, ist ein wesentlicher Teil der Arbeit getan, unabhängig davon, wie sich die Geschichte im weiteren Verlauf entwickelt. Berichte von frühen Hörerinnen und Hörern bestätigen dieses Bild, der Einstieg wird als gelungen beschrieben, man bleibt gespannt zurück und will unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht.
Wo der Boden unter der Geschichte wankt
Interessant ist, dass sich in Rückmeldungen zur Geschichte ein wiederkehrendes Muster zeigt, das sich etwa auf die Buchvorlage bezieht, auf der das Hörspiel aufbaut. Bis ungefähr zur Hälfte der Handlung funktioniert demnach alles reibungslos, die Geschichte hat Fahrt aufgenommen, die Figuren sind etabliert, die Spannung steigt kontinuierlich. Ab dem Moment jedoch, in dem sich die Handlung stärker dem eigentlichen Horror-Kern zuwendet, scheint die Qualität für manche Leser und Hörer spürbar nachzulassen. Dialoge wirken an manchen Stellen konstruiert, teilweise sogar unnötig in die Länge gezogen, fast so, als müsse zusätzliche Spielzeit gefüllt werden, statt die Handlung konsequent voranzutreiben. Solche Beobachtungen sind bei Genrewechseln nicht ungewöhnlich. Eine Geschichte, die im ersten Teil vor allem auf psychologischer Ebene funktioniert, muss im zweiten Teil, wenn die übernatürlichen Elemente stärker in den Vordergrund treten, eine andere Erzählgeschwindigkeit finden. Nicht jede Produktion gelingt dieser Wechsel gleichermaßen gut, und offenbar ist genau das bei REM ein Punkt, an dem sich die Meinungen teilen könnten.
Zwei Genres tanzen einen unsicheren Tanz
Was REM besonders macht, ist der Versuch, zwei Genres miteinander zu verbinden, die zwar verwandt, aber keineswegs deckungsgleich sind. Fitzek steht seit Jahren für packende Psychothriller, für Spannung, die trägt, für ein Erzähltempo, das kaum Verschnaufpausen zulässt. Horror hingegen lebt oft von anderen Mitteln, von Andeutung, von langsamer Steigerung des Unbehagens, von Momenten, in denen bewusst nichts passiert, damit die Erwartungshaltung umso stärker wirkt. Die Kombination beider Ansätze birgt großes Potenzial, weil sie zwei Zielgruppen gleichzeitig ansprechen kann, birgt aber auch das Risiko, dass keines der beiden Genres seine volle Wirkung entfalten kann, wenn die Balance nicht stimmt. Genau an diesem Punkt scheint REM zu stehen. Die Grundidee ist originell und hat das Zeug, nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben, gerade weil sie ein universelles menschliches Bedürfnis, den Schlaf, in etwas Bedrohliches verkehrt. Die Umsetzung über die volle Spielzeit hinweg konstant auf diesem hohen Niveau zu halten, ist eine andere Herausforderung, an der offenbar nicht jeder Abschnitt der Geschichte gleichermaßen überzeugt.
Eine zweite Feder für eine dunklere Tinte
Die Zusammenarbeit mit Annika Strauss verdient besondere Aufmerksamkeit, denn sie ist kein Zufallsprodukt. Strauss hat sich mit ihrem Debütthriller bereits einen Namen im Horror- und Thrillerbereich gemacht und gilt vielen als eine der prägenden neuen Stimmen des deutschsprachigen Horrorgenres. Fitzek selbst beschreibt sich gerne als kreativen Menschen, der immer wieder gerne Neues ausprobiert und mit Autorinnen und Autoren zusammenarbeitet, die ihn begeistern. Diese Offenheit für Kollaborationen ist längst Teil seines Erfolgsrezepts, denn viele seiner größten Erfolge der letzten Jahre entstanden nicht allein, sondern im Team mit anderen Autorinnen und Autoren. Die Wahl von Strauss als Partnerin für ein Horrorprojekt ergibt insofern Sinn, als sie genau das Fachwissen und die Sprache mitbringt, die für eine überzeugende Horrorgeschichte notwendig sind, während Fitzek seine Erfahrung im Spannungsaufbau und in der Figurenentwicklung einbringt. Ob diese Kombination über die komplette Spielzeit trägt, bleibt letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks, doch die Grundidee, zwei erfahrene Stimmen aus benachbarten Genres zusammenzubringen, ist an sich schon interessant genug, um Aufmerksamkeit zu verdienen.
Gesichter ohne Gesicht, Stimmen mit Seele
Bei einer so umfangreichen Besetzung lohnt sich ein genauerer Blick auf die Sprecherinnen und Sprecher. Tanja Geke und Luna Wedler übernehmen zentrale Rollen, ergänzt durch Max Schimmelpfennig, Bernd Hölscher und eine ganze Reihe weiterer Namen, die zusammen ein dichtes Stimmenensemble bilden. Luna Wedler bringt durch ihre Erfahrung in Serien- und Filmproduktionen ein gewisses schauspielerisches Gespür mit, das sich auch im Hörspielformat bemerkbar machen kann, insbesondere in emotional aufgeladenen Szenen, in denen Angst und innere Zerrissenheit glaubhaft transportiert werden müssen. Max Schimmelpfennig, bekannt aus mehreren erfolgreichen deutschen Serienproduktionen, bringt eine ähnliche Bandbreite mit. Die Vielzahl an weiteren Sprecherinnen und Sprechern sorgt dafür, dass auch Nebenfiguren nicht austauschbar klingen, sondern eigene Persönlichkeiten entwickeln können, was gerade in einem Hörspiel mit komplexer Familiengeschichte und mehreren Handlungssträngen wichtig ist, damit Hörerinnen und Hörer nicht den Überblick verlieren.

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Jetzt dem Bluesky-Kanal folgenEin Hotel, das die Vergangenheit nicht loslässt
Das ehemalige Luxushotel an der deutsch-polnischen Grenze fungiert als mehr als nur Kulisse. Solche verlassenen, einst prunkvollen Orte tragen fast immer eine eigene Geschichte in sich, eine Ahnung von vergangenem Glanz, der längst verblasst ist. Für ein Horror-Hörspiel bietet ein solcher Ort ideale Voraussetzungen, weil er gleichzeitig Faszination und Unbehagen auslöst. Die Grenzlage zwischen Deutschland und Polen fügt der Geschichte zusätzlich eine gewisse Isolation hinzu, ein Gefühl von Abgeschiedenheit, das die Bedrohung, der sich Alysee stellen muss, noch verstärkt. Solche sogenannten Lost Places sind im Horrorgenre ein beliebtes Motiv, weil sie Publikum und Figuren gleichermaßen mit der Frage konfrontieren, was einst hier geschah und warum der Ort verlassen wurde. In Kombination mit der persönlichen Vorgeschichte Alysees entsteht so ein Schauplatz, der nicht austauschbar wirkt, sondern eng mit der emotionalen Reise der Hauptfigur verwoben ist.
Was unter dem Kissen wirklich liegt
Neben der reinen Grusel- und Spannungsebene lässt sich in REM auch eine tiefere thematische Ebene erkennen. Die Angst vor dem Schlaf, die Alysee seit ihrer Kindheit begleitet, lässt sich als Metapher für unverarbeitete Traumata lesen. Wer ein einschneidendes, gewaltsames Erlebnis in jungen Jahren durchmacht, trägt die Folgen oft ein Leben lang mit sich, manchmal in Form konkreter Ängste, manchmal in subtileren psychischen Mustern. Dass ausgerechnet der Schlaf, jener Zustand, der eigentlich Erholung und Sicherheit bedeuten sollte, zur Quelle der Angst wird, spiegelt auf symbolischer Ebene genau diesen Verlust von Sicherheit wider, den ein Trauma auslösen kann. Die Rückkehr an den Ort, der eng mit dem Tod des Vaters verknüpft ist, lässt sich ebenfalls als klassisches Motiv der Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit lesen, ein Weg, den viele Horrorgeschichten nutzen, um psychologische Tiefe mit übernatürlicher Bedrohung zu verbinden.
Ein Weg, der sich immer wieder neu schreibt
Wer die Karriere von Sebastian Fitzek verfolgt, weiß, dass er sich seit seinem Debüt kontinuierlich weiterentwickelt hat. Als studierter Jurist mit Promotion im Urheberrecht und langjähriger Erfahrung im Radiobereich, unter anderem als Programmdirektor und Chefredakteur verschiedener Sender, brachte er von Beginn an ein Gespür für Erzähltempo und Publikumswirkung mit, das sich bis heute in seinen Werken widerspiegelt. Sein Debütroman aus dem Jahr 2006 wurde sofort zum Bestseller, seither veröffentlicht er nahezu jährlich neue Titel, die von einer stetig wachsenden Fangemeinde regelrecht verschlungen werden. Mehrfach wurde er zum erfolgreichsten deutschen Autor des Jahres gekürt, mehrere seiner Werke wurden erfolgreich für Film und Serie adaptiert. Auch abseits der Bücher hat sich Fitzek als Marke etabliert, seine Buchvorstellungen werden mittlerweile als regelrechte Shows in großen Arenen inszeniert. Vor diesem Hintergrund ist REM ein weiterer Baustein in einer Karriere, die sich immer wieder neu erfindet, ohne dabei die grundlegende Stärke des Autors, nämlich fesselnde Spannungsbögen, aus den Augen zu verlieren.
Für wen sich die Nacht lohnt
Die Zielgruppe für REM lässt sich grob in zwei Gruppen unterteilen. Auf der einen Seite stehen langjährige Fitzek-Fans, die seine bisherigen Thriller kennen und schätzen. Für sie kann REM eine spannende Erweiterung des gewohnten Repertoires darstellen, gerade weil der Autor bewusst neue Wege geht und sich nicht auf altbewährten Formeln ausruht. Auf der anderen Seite steht das klassische Horror-Publikum, das durch die Beteiligung von Annika Strauss angesprochen werden dürfte. Wer bereits mit ihrem bisherigen Werk vertraut ist, wird in REM viele vertraute Elemente des Genres wiederfinden, kombiniert mit der erzählerischen Erfahrung eines etablierten Thriller-Autors. Für Hörerinnen und Hörer, die generell offen für Horror-Hörspiele mit übernatürlichen Elementen sind, unabhängig von persönlichen Vorlieben für den einen oder anderen Autor, bietet REM zudem schlicht eine solide Gelegenheit, sich mehrere Stunden lang in eine düstere, atmosphärisch dichte Welt hineinziehen zu lassen.
Licht in der Dunkelheit
Zusammenfassend lassen sich mehrere klare Stärken benennen. Die Grundidee, aufgezeichnete Träume, die den nächsten Schlaf zur potenziellen Todesgefahr machen, ist originell und emotional zugänglich, weil jeder Mensch schlafen muss und sich damit unmittelbar mit der zentralen Bedrohung identifizieren kann. Die Vorgeschichte der Hauptfigur, geprägt von einem frühen Kindheitstrauma und einem ungeklärten Mord, sorgt für emotionale Tiefe und einen klaren persönlichen Antrieb, der über die gesamte Handlung hinweg trägt. Die aufwendige Produktion mit einem großen, namhaften Sprecherensemble, allen voran Luna Wedler und Max Schimmelpfennig, sorgt für eine hochwertige akustische Umsetzung, wie man sie von Audible-Original-Produktionen mittlerweile gewohnt ist. Der Einstieg in die Geschichte wird von vielen Hörerinnen und Hörern als besonders gelungen beschrieben, was für ein Hörspiel, das über mehrere Stunden Aufmerksamkeit binden muss, ein entscheidender Faktor ist. Auch die Idee, zwei etablierte Autoren aus benachbarten, aber unterschiedlichen Genres zusammenzubringen, verdient Anerkennung, weil sie zeigt, dass beide Seiten bereit waren, aus ihrer jeweiligen Komfortzone herauszutreten.
Risse im Traumgebäude
Gleichzeitig gibt es Punkte, die kritischer betrachtet werden sollten. Der Übergang von der psychologisch geprägten ersten Hälfte zum stärker übernatürlichen zweiten Teil scheint nicht bei allen Hörerinnen und Hörern gleichermaßen gut zu funktionieren. Manche empfinden, dass die Qualität der Dialoge in diesem Abschnitt nachlässt, dass Szenen konstruiert wirken oder unnötig gestreckt werden. Auch der vergleichsweise hohe Erzähleranteil, der bei Audible-Produktionen inzwischen fast schon zum Standard gehört, könnte für Hörerinnen und Hörer, die ein möglichst reines, dialoglastiges Hörspielerlebnis bevorzugen, ein kleiner Störfaktor sein, auch wenn viele diesen Umstand offenbar nicht sonderlich negativ bewerten. Wer explizit den gewohnten, eher realistisch verankerten Fitzek-Thriller erwartet, könnte von der stärker fantastisch-übernatürlichen Ausrichtung von REM zunächst überrascht oder sogar enttäuscht sein, weil sich das Werk klar von den bisherigen Erwartungen absetzt.
Mut, den eigenen Schatten zu verlassen
Es lohnt sich, einen Moment bei der grundsätzlichen Frage zu verweilen, warum ein derart erfolgreicher Autor wie Fitzek überhaupt das Risiko eingeht, ein neues Genre zu betreten. Kommerziell betrachtet wäre es naheliegend, beim bewährten Erfolgsrezept zu bleiben, zumal die bisherigen Psychothriller regelmäßig hohe Verkaufszahlen erzielen. Dass Fitzek dennoch immer wieder neue Wege geht, spricht für ein Selbstverständnis als Erzähler, das über reine Marktlogik hinausgeht. Kollaborationen mit anderen Autorinnen und Autoren, Experimente mit neuen Formaten und Genres, all das zeigt einen kreativen Anspruch, der sich nicht ausschließlich an kommerziellem Kalkül orientiert. Für das Publikum bedeutet das eine gewisse Portion Mut zur Überraschung, die sich auszahlen kann, aber eben auch das Risiko birgt, dass nicht jede Fangruppe gleichermaßen mitgenommen wird.

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Ein Hörspiel mit einer Spieldauer von gut fünf Stunden lässt sich auf unterschiedliche Weise konsumieren. Manche Hörerinnen und Hörer bevorzugen es, ein solches Werk am Stück zu erleben, etwa auf einer längeren Autofahrt oder an einem freien Abend, um die volle Wirkung der durchgehenden Spannungskurve zu erleben. Andere teilen sich das Hörerlebnis lieber in mehrere Etappen auf, hören zum Beispiel auf dem Arbeitsweg oder vor dem Einschlafen, was bei einem Werk, das sich thematisch genau um die Gefahren des Schlafs dreht, eine interessante zusätzliche Ebene erzeugen kann. Die Wahl der Umgebung spielt bei Horror-Hörspielen ebenfalls eine Rolle. Wer mit Kopfhörern in einer ruhigen, dunklen Umgebung hört, dürfte eine intensivere Wirkung erleben als beim Hören über Lautsprecher im Auto mit Umgebungsgeräuschen, ein Umstand, der auch in ersten Rückmeldungen zur Produktion bereits angesprochen wurde. Für ein möglichst immersives Erlebnis empfiehlt sich daher grundsätzlich eine ruhige Hörsituation mit Kopfhörern, um die aufwendig gestaltete Soundkulisse voll zur Geltung kommen zu lassen.
Ein Echo aus vergangenen Nächten
Die bereits erwähnte Hörspieltrilogie, die 2012 ihren Anfang nahm, hat über die Jahre hinweg mittlerweile eine ganze Reihe von Titeln hervorgebracht, allesamt mit bekannten Stimmen besetzt und aufwendig produziert. REM reiht sich in diese Tradition ein, geht inhaltlich jedoch einen deutlich anderen Weg, weg vom reinen Psychothriller, hin zu einer Mischung aus Horror und Übernatürlichem. Dieser Schritt lässt sich als konsequente Weiterentwicklung eines bewährten Produktionsformats verstehen, bei dem die technische und stimmliche Qualität konstant bleibt, während inhaltlich neue Wege beschritten werden. Für Hörerinnen und Hörer, die die frühere Trilogie kennen, dürfte dieser Vergleich naheliegend sein, und viele werden REM automatisch an diesem Maßstab messen, was angesichts der langjährigen Erfolgsgeschichte der bisherigen Produktionen eine hohe Messlatte bedeutet.
Das Herz, das unter dem Grauen schlägt
Bei aller Diskussion über Genre, Produktion und technische Umsetzung darf der emotionale Kern der Geschichte nicht aus dem Blick geraten. Alysees Weg ist letztlich die Geschichte eines Menschen, der als Kind Zeuge eines traumatischen Ereignisses wurde und seither mit einer tief verwurzelten Angst lebt. Die Rückkehr an einen Ort, der eng mit diesem Trauma verknüpft ist, stellt eine klassische, aber wirkungsvolle erzählerische Konfrontation dar. Ob die Antworten, die Alysee im Laufe der Handlung findet, tatsächlich Heilung bringen oder sie noch tiefer in die Dunkelheit ziehen, bleibt der Spannung der Geschichte selbst überlassen. Genau dieser emotionale Anker, verbunden mit einer universellen Angst vor dem Kontrollverlust im Schlaf, macht REM zu mehr als einer reinen Aneinanderreihung von Schockmomenten. Die besten Horrorgeschichten funktionieren immer dann am stärksten, wenn die übernatürliche Bedrohung mit einer sehr menschlichen, nachvollziehbaren Angst verknüpft ist, und genau diesen Ansatz verfolgt REM konsequent.
Die Sprache der kleinen Dinge
Bei genauerem Hinhören fällt auf, wie viel Gewicht in REM auf scheinbar nebensächlichen Details liegt. Ein zugezogener Vorhang, ein Lichtschalter, der nicht sofort reagiert, das ferne Geräusch einer Tür, die sich irgendwo im Gebäude schließt, ohne dass jemand in der Nähe zu sein scheint. Solche kleinen akustischen Signale wirken in einem Hörspiel oft stärker als große, laute Schockmomente, weil sie das Unterbewusstsein ansprechen, ohne dass die hörende Person sofort einen Grund zur Sorge benennen könnte. Diese leisen Verunsicherungen bauen sich über die Zeit zu einem konstanten Gefühl von Bedrohung auf, das nicht an einem einzelnen Ereignis festzumachen ist, sondern eher wie eine Atmosphäre über der gesamten Handlung liegt. Produktionen, die auf diese Weise mit kleinen Details arbeiten, verlangen von der Technik ein hohes Maß an Präzision, denn jedes Geräusch muss genau dosiert sein, weder zu aufdringlich, um nicht plump zu wirken, noch zu subtil, um in der Gesamtmischung untergehen zu können. Bei REM scheint dieses Gleichgewicht über weite Strecken zu gelingen, was insbesondere den ersten Kapiteln zugutekommt, in denen noch keine offensichtliche Bedrohung sichtbar ist, sondern lediglich ein diffuses Gefühl, dass im ehemaligen Hotel etwas nicht stimmt.
Familiengeheimnisse als Motor der Handlung
Ein weiteres Element, das REM von reinen Schockformaten unterscheidet, ist die Bedeutung, die der Familiengeschichte eingeräumt wird. Der Mord am Vater, der nie aufgeklärt wurde, wirkt wie ein offener Faden, der sich über Jahre durch Alysees Leben zieht, ohne dass sie ihn jemals greifen konnte. Ein solches ungelöstes Familiendrama bietet erzählerisch mehr Möglichkeiten als eine einmalige, klar abgeschlossene Bedrohung, weil es Raum für mehrere Enthüllungen lässt, für Figuren, die möglicherweise mehr wissen, als sie zunächst zugeben, und für Wendungen, die alte Annahmen ins Wanken bringen können. Wer Fitzeks bisherige Werke kennt, weiß, dass genau solche verschachtelten Familienkonstellationen zu seinen erzählerischen Stärken zählen, und es liegt nahe, dass dieses Handwerk auch in REM zum Tragen kommt, selbst wenn der Rahmen diesmal deutlich stärker ins Übernatürliche reicht als in den bisherigen Thrillern. Die Verbindung von ungeklärtem Verbrechen und einem Ort, der buchstäblich zum Erbe der Hauptfigur geworden ist, sorgt zudem dafür, dass die Bedrohung nicht von außen kommt, sondern eng mit der eigenen Identität verwoben ist, was der gesamten Geschichte eine zusätzliche persönliche Dringlichkeit verleiht.
Am Ende bleibt der Nachhall
REM zeigt Sebastian Fitzek in einer neuen kreativen Konstellation, unterstützt durch die Horror-Expertise von Annika Strauss und getragen von einer aufwendigen, hochkarätig besetzten Audible-Original-Produktion. Die Grundidee, aufgezeichnete Träume als tödliche Bedrohung, ist originell genug, um im Gedächtnis zu bleiben, und die persönliche Vorgeschichte der Hauptfigur verleiht der Handlung eine emotionale Tiefe, die über reinen Grusel hinausgeht. Der Einstieg gelingt nach vielen Rückmeldungen überzeugend, die Atmosphäre stimmt, das Sprecherensemble überzeugt durch Umfang und Erfahrung. Gleichzeitig zeigen sich im weiteren Verlauf, insbesondere beim Übergang zum stärker übernatürlichen Teil der Geschichte, gewisse Schwankungen in der erzählerischen Qualität, die nicht jeder Hörerin und jedem Hörer gleichermaßen entgehen dürften. Wer offen für ein Genre-Experiment ist, wer sich auf eine dunklere, fantastischere Seite von Fitzek einlassen möchte und wer Horror-Hörspiele mit dichter Atmosphäre und großem Produktionsaufwand schätzt, findet in REM eine Produktion, die einige Stunden intensiver Unterhaltung bietet, auch wenn nicht jede Minute davon gleichermaßen überzeugt. Am Ende bleibt der Eindruck eines mutigen Experiments, das mit einer starken Ausgangsidee beginnt und über weite Strecken hält, was es verspricht, auch wenn nicht jede Etappe der Reise auf demselben hohen Niveau bleibt wie ihr Anfang.

REM – Schlafen. Träumen. Sterben.
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Verantwortlicher Experte für diesen Artikel:

Sebastian Stelling
Hallo, ich bin Sebastian, der Kopf hinter Audio Dramas Europe. Meine Liebe zu Hörspielen begann schon in den 80er- und 90er-Jahren, als Klassiker wie Die drei ???, TKKG oder Benjamin Blümchen meine ständigen Begleiter waren. Diese Faszination für das akustische Erzählen hat mich nie wieder losgelassen. Heute teile ich meine Leidenschaft auf dieser Plattform und stelle euch Hörspiele aus ganz Europa vor, von bekannten Klassikern bis zu unentdeckten Perlen der Independent-Szene. Dabei verstehe ich mich als Vermittler und Kurator: Ich produziere selbst keine Hörspiele, sondern möchte Brücken bauen, zwischen Fans, Produzenten und Sprechern. Wenn auch du Hörspiele liebst, freue ich mich, dich auf dieser Reise zu begleiten.