
Wenn die Tiefe zu rufen beginnt
Innerhalb der Hörspielreihe Gruselkabinett von Titania Medien gibt es einzelne Veröffentlichungen, denen von vornherein eine gewisse Erwartungshaltung entgegenschlägt, noch bevor die erste CD überhaupt im Player liegt. Die Doppelfolge 114 und 115, die sich H. P. Lovecrafts Erzählung Der Ruf des Cthulhu widmet, gehört ganz klar in diese Kategorie. Wer sich auch nur ein wenig mit der Geschichte der phantastischen Literatur beschäftigt hat, weiß, dass dieser Text keine gewöhnliche Gruselgeschichte unter vielen ist, sondern so etwas wie der Gründungstext eines ganzen literarischen Universums. Der Cthulhu-Mythos, wie er heute in Rollenspielen, Comics, Filmen und unzähligen Nachahmungen weiterlebt, hat hier seinen eigentlichen Ursprung. Eine Hörspieladaption dieses Stoffes trägt also eine Verantwortung, die über das übliche Maß hinausgeht, und man merkt der Produktion an mehreren Stellen an, dass die Verantwortlichen sich dessen bewusst waren.
Veröffentlicht wurde die Doppelfolge im Jahr 2016 bei Titania Medien, verteilt auf zwei CDs mit einer Gesamtspieldauer von gut 111 Minuten. Für das Skript zeichnet Marc Gruppe verantwortlich, der innerhalb der Reihe für einen Großteil der Lovecraft-Adaptionen zuständig ist und sich über die Jahre einen Ruf als besonders textnaher Bearbeiter erworben hat. Das Cover, gestaltet von Ertugrul Edirne, zeigt in gewohnter Gruselkabinett-Manier eine düstere, symbolisch aufgeladene Illustration, die schon vor dem ersten Ton eine Ahnung davon gibt, in welche Richtung die Reise gehen wird.
Ein Mythos, geboren aus Schlaf und Schatten
Um die Adaption angemessen einordnen zu können, lohnt sich ein kurzer Blick auf den Autor und seinen Stoff. Howard Phillips Lovecraft, geboren 1890 in Providence, Rhode Island, gestorben 1937, gilt heute als einer der einflussreichsten Autoren der phantastischen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts, obwohl er zu Lebzeiten kaum finanziellen Erfolg hatte und größtenteils in obskuren Pulp-Magazinen veröffentlichte. Erst nach seinem Tod wuchs sein Ruf beständig, gefördert von Freunden und Weggefährten wie August Derleth, die seinen Nachlass pflegten und seine Werke einem größeren Publikum zugänglich machten.
Der Ruf des Cthulhu, ursprünglich 1926 verfasst und 1928 im Magazin Weird Tales veröffentlicht, markiert einen entscheidenden Punkt in Lovecrafts Schaffen. Zum ersten Mal wird hier in aller Deutlichkeit das kosmische Weltbild formuliert, das später als Cosmic Horror bezeichnet werden sollte: die Vorstellung, dass die Menschheit in einem gleichgültigen, unermesslich großen Universum nur eine unbedeutende Randnotiz darstellt, umgeben von Mächten und Wesenheiten, deren bloße Existenz den menschlichen Verstand an seine Grenzen bringt. Cthulhu selbst, das schlafende Wesen in der versunkenen Stadt R’lyeh, wird dabei gar nicht als klassischer Bösewicht im Sinne eines Dämons oder Monsters gezeichnet, sondern als etwas, das jenseits menschlicher Kategorien von Gut und Böse existiert. Diese Unbegreiflichkeit, das bewusste Offenlassen und Andeuten anstelle des expliziten Zeigens, ist eines der zentralen stilistischen Merkmale der Geschichte und stellt zugleich eine der größten Herausforderungen für jede Adaption dar, sei es im Film, im Comic oder eben im Hörspiel.
Wichtig für das Verständnis der Vorlage ist außerdem ihre ungewöhnliche erzählerische Struktur. Lovecraft verzichtet auf eine klassische, chronologisch durcherzählte Handlung mit einem einzelnen Protagonisten, der von Anfang bis Ende im Zentrum steht. Statt dessen besteht die Geschichte aus drei ineinander verschachtelten Teilen, die jeweils von unterschiedlichen Personen und zu unterschiedlichen Zeiten berichtet werden und die der Rahmenfigur Francis Wayland Thurston nur nach und nach, wie Puzzleteile, zugänglich werden. Diese Bauweise, die man in der Literaturwissenschaft gerne als gefundenes Manuskript oder als verschachtelte Rahmenerzählung beschreibt, verleiht dem Text seine besondere Wirkung, macht ihn aber auch zu einem der komplizierteren Stoffe, wenn es um eine dramatisierte Umsetzung geht.

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Nichts für schwache Nerven!Fäden aus dem Nachlass eines Toten
Die Rahmenhandlung beginnt in Providence im November 1926. Francis Wayland Thurston wird zum Nachlassverwalter seines Großonkels George Gammell Angell bestimmt, der zu Lebzeiten als Professor für semitische Sprachen an der Brown-Universität lehrte und unter mysteriösen Umständen gestorben ist, offiziell nach einem Sturz, den ein unsichtbarer Neger verursacht haben soll, wie es in den zeitgenössischen Zeitungsberichten unglücklich formuliert wurde. Beim Sichten der Unterlagen stößt Thurston auf eine seltsame kleine Statuette sowie auf eine Reihe von Dokumenten und Notizen, die sich alle um ein Thema drehen, das der alte Professor offenbar in seinen letzten Lebensjahren obsessiv verfolgt hat: einen Kult, der ein Wesen namens Cthulhu verehrt.
Der erste große Erzählstrang, den Thurston rekonstruiert, dreht sich um einen jungen Künstler namens Henry Anthony Wilcox, der Angell Monate vor dessen Tod aufgesucht hatte. Wilcox berichtete von beunruhigenden Träumen, in denen er Bilder einer zyklopischen, nassen, grünlich schimmernden Stadt sah, und fertigte in einem Zustand zwischen Schlaf und Wachsein ein Bas-Relief an, das genau jener Statuette entspricht, die sich im Nachlass des Professors befindet. Angell erkannte in Wilcox‘ Beschreibungen Parallelen zu Berichten anderer Menschen weltweit, die zur selben Zeit von ähnlichen Träumen und einer wachsenden Unruhe berichteten, verbunden mit vereinzelten Fällen von Wahnsinn, Selbstmord und seltsamem Verhalten.
Der zweite Erzählstrang führt zurück in das Jahr 1908, als Angell auf einem Treffen der American Archaeological Society den Bericht eines Polizeiinspektors namens John Raymond Legrasse hörte. Legrasse hatte in den Sumpfgebieten von Louisiana eine Voodoo-ähnliche Kultversammlung aufgelöst, deren Mitglieder in einer entfesselten, ekstatischen Zeremonie einer ähnlichen Statuette huldigten, wie sie später auch Wilcox anfertigen sollte. Die verhafteten Kultmitglieder berichteten von einem uralten Glauben an Wesen, die Große Alte genannt werden, insbesondere an Cthulhu, das in einer versunkenen Stadt namens R’lyeh tief im Pazifik schlafend auf seine Wiederkehr wartet, wenn die Sterne wieder in der richtigen Konstellation stehen.
Der dritte und letzte Teil, oft als der eindringlichste empfunden, berichtet von den Erlebnissen des norwegischen Seemanns Gustaf Johansen, der auf einer Schiffsreise im Pazifik tatsächlich auf die versunkene Stadt R’lyeh stößt, nachdem diese durch ein unterseeisches Erdbeben kurzzeitig an die Oberfläche gedrückt wurde. Die Begegnung mit dem erwachenden Cthulhu kostet fast die gesamte Besatzung das Leben und lässt Johansen selbst als traumatisierten, gebrochenen Mann zurück, der kurz nach seiner Heimkehr unter ungeklärten Umständen stirbt. Am Ende erkennt Thurston, dass er durch seine eigenen Nachforschungen ins Visier des Kultes geraten ist und dass sein Wissen ihn in Lebensgefahr bringt, ein Gedanke, mit dem die Geschichte in charakteristischer Lovecraft-Manier unaufgelöst endet.
Ein Stoff, der sich dem Zugriff entzieht
Wer diese Struktur kennt, versteht sofort, vor welchem Problem die Bearbeiter eines Hörspiels standen. Eine verschachtelte, mehrfach gebrochene Erzählung mit mehreren Erzählebenen, Rückblenden innerhalb von Rückblenden und einer bewusst fragmentarischen, andeutungsreichen Sprache lässt sich nicht ohne Weiteres in ein Medium übertragen, das von akustischer Klarheit und einer gewissen Orientierung für die Hörerschaft lebt. Marc Gruppe hat sich dabei für einen Weg entschieden, der in der Fachwelt durchaus kontrovers diskutiert wurde: eine außergewöhnlich textnahe, an vielen Stellen praktisch wörtliche Übernahme der literarischen Vorlage. Als Grundlage diente dabei offenbar die vergleichsweise junge deutsche Übersetzung von Andreas Diesel, die im Rahmen der Gesamtausgabe Lovecraft’scher Prosa im Festa Verlag erschienen ist.
Diese Entscheidung hat zwei Seiten, die sich beide deutlich im Hörerlebnis niederschlagen. Auf der positiven Seite steht eine bemerkenswerte Werktreue, die all jene belohnt, die die Vorlage kennen und lieben. Wortwahl, Satzbau, die eigentümlich altmodische, oft leicht überladene Sprache Lovecrafts, all das findet sich in der Hörspielfassung wieder, und gerade eingefleischte Lovecraft-Anhänger dürften an dieser Genauigkeit ihre Freude haben. Kaum eine andere Adaption, ob im Film oder in anderen Hörspielserien, geht so behutsam mit dem Originaltext um wie diese.
Auf der anderen Seite bringt genau diese Nähe zur literarischen Vorlage eine gewisse Sperrigkeit mit sich, die nicht jedem Hörer gleich gut gefallen dürfte. Wer mit der Geschichte nicht vertraut ist und unvorbereitet in die erste Folge einsteigt, muss sich auf einen eher komplizierten Einstieg einstellen. Die vielen Ebenen, die ständigen Wechsel zwischen den Erzählperspektiven, die zurückhaltende, nie reißerische Inszenierung der eigentlichen Schreckensmomente, all das verlangt von der Hörerschaft ein gewisses Maß an Geduld und Aufmerksamkeit. Wer ein Hörspiel im Stil eines actionreichen Grusel-Thrillers mit schnellen Schnitten und ständigen Schockmomenten erwartet, wird hier eher enttäuscht werden. Die Doppelfolge verlangt vielmehr eine Hörhaltung, wie man sie auch beim Lesen eines dichten, in sich verschachtelten literarischen Textes einnehmen würde.
Erste Splitter aus dem Dunkel
Der erste Teil der Doppelfolge, also Folge 114, konzentriert sich überwiegend auf die Rahmenhandlung um Thurston sowie auf die beiden ersten großen Erzählstränge, den Fall Wilcox und den Bericht von Inspektor Legrasse. Formal äußert sich das in einer Häufung von Berichten, die Thurston aus den Papieren seines Großonkels zusammenträgt, sowie in Rückblenden, in denen andere Sprecher die jeweiligen Ereignisse aus ihrer eigenen Perspektive schildern. Diese dokumentarische, fast wissenschaftlich-nüchterne Erzählweise, die Lovecraft bewusst gewählt hat, um seiner Geschichte einen Anschein von Authentizität und Glaubwürdigkeit zu verleihen, wird in der Hörspielfassung durch entsprechende Erzählerstimmen und eine klare akustische Kennzeichnung der einzelnen Ebenen nachgebildet.
Besonders gelungen ist in diesem ersten Teil die Darstellung der Kultversammlung in den Sumpfgebieten Louisianas, wie sie Legrasse erlebt hat. Hier erlaubt sich die Inszenierung eine deutlich dichtere, atmosphärisch aufgeladenere Klanggestaltung, mit rhythmischen Trommeln, entfesselten Sprechchören und einer beklemmenden Geräuschkulisse aus dem Sumpf, die einen deutlichen Kontrast zur eher zurückhaltenden, fast trockenen Erzählweise der Rahmenhandlung bildet. Gerade an dieser Stelle zeigt sich, wie gut das Sounddesign in der Lage ist, die im Text nur beschriebene Atmosphäre tatsächlich hörbar und erlebbar zu machen, ohne dabei in reine Effekthascherei zu verfallen.
Die Fahrt hinaus, wo die Karten enden
Folge 115 widmet sich schwerpunktmäßig dem dritten großen Erzählstrang, also dem Bericht des norwegischen Seemanns Johansen über die Begegnung mit R’lyeh und dem erwachenden Cthulhu selbst. Dieser Teil gilt gemeinhin, sowohl in der literarischen Vorlage als auch in vielen Adaptionen, als der eindrucksvollste und emotional dichteste Abschnitt der gesamten Geschichte, und auch die Hörspielfassung schöpft hier ihr Potenzial deutlich stärker aus als im ersten Teil.
Die Schilderung der versunkenen, nichteuklidisch anmutenden Architektur von R’lyeh, mit ihren unmöglichen Winkeln und ihrer die menschliche Wahrnehmung überfordernden Geometrie, stellt naturgemäß eine der größten Herausforderungen für jede akustische Umsetzung dar, da es sich letztlich um ein zutiefst visuelles Konzept handelt. Die Produktion begegnet diesem Problem mit einer Kombination aus verzerrten, halligen Klangflächen, disharmonischen musikalischen Elementen und einer bewusst desorientierenden Schnittfolge, die den Eindruck von Raumlosigkeit und Verwirrung vermitteln soll. Ob dies vollständig gelingt, mag Geschmackssache sein, doch der Versuch, ein im Kern unbeschreibliches Konzept hörbar zu machen, verdient Anerkennung, gerade weil er auf plumpe wörtliche Beschreibungen weitgehend verzichtet und stattdessen auf die Suggestionskraft von Klang und Musik setzt.
Der eigentliche Moment des Erwachens Cthulhus, einer der berühmtesten Szenen der gesamten Lovecraft’schen Prosa, wird in der Hörspielfassung mit angemessener Zurückhaltung inszeniert. Statt eines plakativen, effektheischenden Monsterauftritts mit übertriebenen Soundeffekten setzt die Produktion auf eine langsame Steigerung, auf das Anschwellen bedrohlicher Klangflächen und auf die panische, zunehmend fragmentierte Erzählweise Johansens, der selbst kaum in der Lage ist, das Gesehene in Worte zu fassen. Diese Entscheidung, dem Grauen keine allzu konkrete akustische Gestalt zu geben, sondern es vor allem über die Reaktion der Figuren zu vermitteln, entspricht ganz dem Geist der literarischen Vorlage und darf als eine der klügsten inszenatorischen Entscheidungen der gesamten Produktion gelten.
Stimmen, die dem Grauen ein Gesicht geben
Für die Besetzung der zahlreichen Rollen konnte Titania Medien auf einen bewährten Kreis erfahrener Sprecher zurückgreifen, wie es für die Gruselkabinett-Reihe typisch ist. Unter den beteiligten Stimmen finden sich unter anderem Detlef Bierstedt und Horst Naumann, zwei Namen, die im deutschen Synchron- und Hörspielgeschäft seit Jahrzehnten einen ausgezeichneten Ruf besitzen und deren Stimmen viele Hörer sofort aus zahlreichen anderen Produktionen wiedererkennen dürften. Daneben wirken unter anderem Fabian Oscar Wien, Patrick Bach, Jannik Endemann, Jochen Schröder, Kristine Walther, Roman Wolko, Christian Stark und Wilfried Herbst mit, sodass insgesamt ein recht großes und vielstimmiges Ensemble entsteht, das den zahlreichen Nebenfiguren und Erzählstimmen der Geschichte gerecht wird.
Diese Vielzahl an Sprechern ist angesichts der verschachtelten Erzählstruktur auch dringend nötig, denn nur durch klar unterscheidbare Stimmen lässt sich für die Hörerschaft überhaupt nachvollziehen, wer gerade aus welcher Perspektive und zu welchem Zeitpunkt berichtet. Die Besetzung löst diese Aufgabe größtenteils überzeugend, wobei besonders die älteren, erfahreneren Sprecher den nötigen Grad an Autorität und Ernsthaftigkeit mitbringen, den die akademisch geprägten Figuren wie Professor Angell oder die verschiedenen Wissenschaftler in der Geschichte benötigen. Die jüngeren Sprecher übernehmen dagegen eher die emotional aufgewühlten, von Angst und Verzweiflung geprägten Rollen wie den jungen Künstler Wilcox oder den traumatisierten Seemann Johansen, was eine sinnvolle Aufteilung der stimmlichen Register innerhalb des Ensembles ergibt.
Wenn Klang zur Ahnung wird
Wie bei praktisch allen Produktionen der Gruselkabinett-Reihe zeichnet sich auch diese Doppelfolge durch eine sehr dichte, sorgfältig gestaltete Klangkulisse aus. Die musikalische Untermalung bewegt sich zwischen klassisch anmutenden, orchestralen Elementen, die der Rahmenhandlung in Providence einen fast historisch-seriösen Anstrich verleihen, und deutlich experimentelleren, dissonanten Klangflächen, die für die kosmischen und übernatürlichen Momente der Geschichte reserviert sind. Dieser bewusste Kontrast zwischen dem Vertrauten und dem völlig Fremdartigen unterstützt die inhaltliche Grundidee der Geschichte auf eine sehr wirkungsvolle Weise, denn genau dieser Kontrast zwischen der scheinbar geordneten, rationalen Welt der Wissenschaft und dem darunter lauernden kosmischen Chaos bildet ja das eigentliche thematische Zentrum von Lovecrafts Erzählung.
Auch bei den Geräuscheffekten zeigt sich die gewohnte Sorgfalt, mit der Titania Medien seine Produktionen ausstattet. Das Rauschen des Meeres, das Ächzen eines Schiffsrumpfes, das dumpfe Grollen aus der Tiefe, all das wird mit großer Detailfreude eingesetzt, ohne dabei die Sprachverständlichkeit zu beeinträchtigen, was bei derart dicht inszenierten Hörspielen keineswegs selbstverständlich ist. Die Abmischung gelingt insgesamt sehr ausgewogen, sodass auch bei mehreren gleichzeitig ablaufenden Klangebenen stets klar bleibt, worauf sich die Aufmerksamkeit richten sollte.
Ein Platz im Kabinett der Schatten
Innerhalb der mittlerweile sehr umfangreichen Gruselkabinett-Reihe, die neben zahlreichen Lovecraft-Adaptionen auch klassische Schauergeschichten von Autoren wie Edgar Allan Poe, Bram Stoker, Arthur Conan Doyle oder den Brüdern Grimm umfasst, nimmt Der Ruf des Cthulhu eine besondere Stellung ein. Bereits zuvor hatte sich die Reihe mit Lovecraft beschäftigt, etwa mit der ebenfalls als Doppelfolge angelegten Adaption von Berge des Wahnsinns in den Folgen 44 und 45, und auch danach folgten weitere Lovecraft-Bearbeitungen wie Der schwarze Stein in Folge 116. Im Vergleich zu diesen anderen Adaptionen gilt Der Ruf des Cthulhu vielfach als eine der gelungensten Umsetzungen innerhalb der Reihe, was nicht zuletzt daran liegt, dass sich die Bearbeiter dieses Mal an einen Stoff heranwagten, der als eine Art heiliger Gral der Lovecraft-Rezeption gilt und entsprechend hohe Erwartungen mit sich bringt.
Für Hörerinnen und Hörer, die bislang noch keine oder wenig Erfahrung mit Lovecrafts Werk gesammelt haben, kann diese Doppelfolge durchaus als sinnvoller Einstiegspunkt in den Cthulhu-Mythos dienen. Zwar verlangt die verschachtelte Erzählstruktur, wie bereits erwähnt, ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, doch gerade weil es sich um den zentralen, alles begründenden Text des gesamten Mythos handelt, lohnt sich der Einstieg gerade hier, bevor man sich später anderen, oft noch komplexeren Werken wie Berge des Wahnsinns oder Der Schatten aus der Zeit zuwendet. Der Einfluss, den dieser Mythos bis heute auf die Horrorliteratur und den modernen Horrorfilm ausübt, lässt sich kaum überschätzen, man denke nur an zahlreiche Erzählungen von Stephen King oder an Ridley Scotts Science-Fiction-Klassiker Alien, dessen Design des Xenomorphen deutliche Anklänge an die von Lovecraft beschriebenen außerirdischen Wesenheiten aufweist.

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Jetzt dem WhatsApp-Kanal beitretenLicht und Schatten einer Annäherung
Betrachtet man die Doppelfolge insgesamt, lassen sich mehrere klare Stärken benennen. Zunächst die bereits erwähnte, außergewöhnliche Werktreue, die der Vorlage mit großem Respekt begegnet und kaum eigene, allzu freizügige dramaturgische Eingriffe vornimmt. Wer die Originalgeschichte kennt und schätzt, wird sich in der Hörspielfassung gut aufgehoben fühlen, da die zentralen Bilder, Motive und die eigentümliche Sprachmelodie Lovecrafts weitgehend erhalten bleiben. Zweitens die durchweg überzeugende sprecherische Leistung des großen Ensembles, das den zahlreichen Figuren jeweils ein eigenes, klar erkennbares stimmliches Profil verleiht. Drittens die sorgfältige, kontrastreiche Klanggestaltung, die zwischen ruhiger, fast dokumentarischer Erzählweise und intensiven, beklemmenden Momenten geschickt zu vermitteln weiß, ohne dabei in billige Effekthascherei zu verfallen. Und schließlich die kluge, zurückhaltende Inszenierung der eigentlichen Schreckensmomente, die dem Unbeschreiblichen der Vorlage treu bleibt, anstatt es plakativ auszustellen.
Auf der Seite der Schwächen, sofern man diesen Begriff angesichts der bewussten künstlerischen Entscheidungen überhaupt verwenden möchte, steht vor allem die bereits mehrfach angesprochene erzählerische Komplexität, die für ungeübte oder unvorbereitete Hörer eine echte Hürde darstellen kann. Wer sich nicht auf die verschachtelte, mehrschichtige Erzählweise einlassen möchte oder kann, wird mit dieser Produktion vermutlich weniger glücklich werden als mit anderen, geradliniger erzählten Gruselkabinett-Folgen. Auch das Tempo der Geschichte, das sich über weite Strecken eher gemächlich und bedächtig entwickelt, dürfte nicht jedem Hörgeschmack entsprechen, insbesondere nicht jenem, der schnelle, actionreiche Unterhaltung sucht. Diese Punkte sind allerdings weniger als handwerkliche Mängel der Produktion selbst zu verstehen, sondern vielmehr als unmittelbare Konsequenz der bewusst gewählten Nähe zur literarischen Vorlage, die eben genau diese Eigenheiten mit sich bringt.
Das Unsagbare, hörbar gemacht
Interessant ist auch die Frage, wie gut sich das Hörspielmedium grundsätzlich für die Vermittlung von Lovecrafts kosmischem Horror eignet. Während im Film die visuelle Darstellung des Unbeschreiblichen fast zwangsläufig an ihre Grenzen stößt, weil jedes gezeigte Monster letztlich enttäuschend konkret und damit weniger furchteinflößend wirkt als das, was sich die eigene Vorstellungskraft ausmalt, bietet das Hörspiel hier einen entscheidenden Vorteil. Da nichts tatsächlich gezeigt werden muss, bleibt der Raum für die individuelle Imagination der Hörerschaft erhalten, was dem eigentlichen Anliegen Lovecrafts, dem Erschaffen eines Grauens jenseits konkreter Beschreibbarkeit, sehr viel eher entspricht als es ein Film je könnte. Die vorliegende Produktion nutzt diesen Vorteil des Mediums geschickt aus, indem sie konsequent auf Suggestion statt auf explizite akustische Darstellung setzt, sei es bei der Beschreibung von R’lyeh oder beim eigentlichen Erscheinen Cthulhus.
Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass ein Hörspiel naturgemäß stärker auf die sprachliche und erzählerische Führung der Hörerschaft angewiesen ist als ein Buch, das man in seinem eigenen Tempo lesen und bei Bedarf noch einmal zurückblättern kann. Diese Eigenheit des Mediums bringt es mit sich, dass komplexe, verschachtelte Erzählstrukturen wie jene von Der Ruf des Cthulhu im Hörspielformat tendenziell schwieriger zu vermitteln sind als etwa geradlinigere Schauergeschichten. Die Produktion begegnet diesem Problem mit klaren akustischen Markierungen der jeweiligen Erzählebene, etwa durch unterschiedliche Erzählerstimmen, leicht variierende Klangfarben oder kurze musikalische Übergänge, die den Wechsel zwischen den Zeitebenen und Perspektiven kennzeichnen. Diese Lösung funktioniert im Großen und Ganzen gut, verlangt aber, wie bereits erwähnt, ein gewisses Maß an aktiver Aufmerksamkeit von der Hörerschaft.
Andere Wege zur selben Tiefe
Der Ruf des Cthulhu wurde im Laufe der Jahrzehnte in verschiedenen Medien adaptiert, darunter der bemerkenswerte Stummfilm The Call of Cthulhu aus dem Jahr 2005, der bewusst im Stil der 1920er Jahre gehalten wurde, sowie zahlreiche Comic-, Rollenspiel- und Videospieladaptionen, die sich mehr oder weniger frei am Ursprungstext orientieren. Im Vergleich zu diesen anderen Bearbeitungen zeichnet sich die Gruselkabinett-Fassung durch ihre besonders enge sprachliche Anbindung an den Originaltext aus, was sie in gewisser Weise näher an eine Hörbuchlesung mit verteilten Rollen und Geräuschuntermalung heranrückt als an eine völlig eigenständige dramatische Neuinterpretation des Stoffes. Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich von freieren Adaptionen, die oft neue Handlungselemente hinzufügen, die Chronologie verändern oder einzelne Figuren stärker in den Vordergrund rücken, um die Geschichte massenkompatibler zu gestalten.
Wer also eine Version des Stoffes sucht, die sich möglichst nah an Lovecrafts eigenen Worten orientiert und dabei auf unnötige dramaturgische Zuspitzungen verzichtet, findet in dieser Doppelfolge eine der konsequentesten Umsetzungen, die derzeit verfügbar sind. Wer dagegen eine deutlich zugänglichere, vielleicht auch actionreichere Version der Geschichte bevorzugt, könnte mit anderen, freizügiger adaptierten Fassungen möglicherweise besser bedient sein. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, doch es lohnt sich, vor dem Hören eine realistische Erwartungshaltung zu entwickeln, um die Produktion angemessen würdigen zu können.
Der Chronist am Rande des Abgrunds
Ein Aspekt, der in vielen Betrachtungen der Geschichte gerne etwas untergeht, ist die Rolle der Rahmenfigur Francis Wayland Thurston, aus deren Perspektive die gesamte Geschichte erzählt wird. Thurston selbst greift zu keinem Zeitpunkt aktiv in die Handlung ein, sondern fungiert ausschließlich als Sammler, Ordner und letztlich als Opfer eines Wissens, das ihn am Ende in tödliche Gefahr bringt, ohne dass er selbst jemals unmittelbar mit dem eigentlichen kosmischen Grauen in Berührung kommt. Diese passive, fast dokumentarische Rolle ist typisch für viele Lovecraft-Protagonisten, die häufig eher als Beobachter und Chronisten fungieren denn als klassische Helden, die aktiv gegen eine Bedrohung ankämpfen.
In der Hörspielfassung wird diese besondere Rolle Thurstons angemessen respektiert. Er bleibt über weite Strecken der Ruhepol und Ordnungsanker der Erzählung, dessen zunehmende Verzweiflung und wachsende Angst sich vor allem in kleinen, subtilen stimmlichen Nuancen niederschlägt, anstatt in großen, dramatischen Gesten. Diese Zurückhaltung passt sehr gut zum Grundton der gesamten Geschichte und unterstreicht noch einmal, wie konsequent die Produktion versucht, dem Geist der literarischen Vorlage gerecht zu werden, anstatt sie in Richtung eines konventionelleren, actionreicheren Hörspiels umzubiegen.
Für wen die Sterne sich richtig stellen
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass diese Doppelfolge sich besonders für Hörerinnen und Hörer eignet, die ein echtes Interesse an Lovecrafts literarischem Werk und dem von ihm begründeten kosmischen Horror mitbringen, sowie für jene, die eine möglichst textnahe, respektvolle Adaption gegenüber einer freizügigeren, aber vielleicht zugänglicheren Bearbeitung bevorzugen. Auch für Neueinsteiger in den Cthulhu-Mythos kann sich der Einstieg über diese Folgen lohnen, sofern man sich auf eine etwas anspruchsvollere, mehrschichtige Erzählstruktur einlässt und nicht sofort ein schnelles, actionreiches Grusel-Erlebnis erwartet.
Wer dagegen eher unterhaltsame, geradlinig erzählte Schauergeschichten sucht, findet innerhalb der riesigen Gruselkabinett-Reihe zahlreiche andere Folgen, die diesem Wunsch eher entsprechen dürften. Der Ruf des Cthulhu verlangt etwas mehr Geduld und Aufmerksamkeit, belohnt diese Investition aber mit einer außergewöhnlich werktreuen, atmosphärisch dichten und sprecherisch hochwertigen Umsetzung eines der bedeutendsten Texte der phantastischen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts.

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Jetzt dem Bluesky-Kanal folgenEin Zeichen, das durch die Träume wandert
Ein Element, das die gesamte Geschichte zusammenhält und auch in der Hörspielfassung immer wieder gezielt eingesetzt wird, ist die kleine Statuette, die zu Beginn im Nachlass des Professors auftaucht und sich im Laufe der Handlung als zentrales, wiederkehrendes Symbol erweist. Sowohl der junge Künstler Wilcox als auch die Kultmitglieder in Louisiana fertigen unabhängig voneinander eine nahezu identische Darstellung dieses Wesens an, was auf eine Art telepathische Verbindung zwischen weit voneinander entfernten Menschen und dem schlafenden Cthulhu hindeutet. In der akustischen Umsetzung wird dieses Motiv durch ein wiederkehrendes musikalisches Thema unterstrichen, das immer dann kurz anklingt, wenn von der Statuette oder ihrer Darstellung die Rede ist. Diese Wiederkehr eines klar erkennbaren musikalischen Motivs schafft über die beiden Folgen hinweg einen roten Faden, der den Hörerinnen und Hörern hilft, die verschiedenen, zeitlich und räumlich weit auseinanderliegenden Handlungsstränge gedanklich miteinander zu verknüpfen, ohne dass dafür zusätzliche erklärende Dialogzeilen nötig wären. Gerade in einem Hörspiel, das ohnehin schon mit einer komplexen, verschachtelten Struktur arbeitet, ist ein solches subtiles akustisches Wiedererkennungsmerkmal von großem Nutzen für die Verständlichkeit des Gesamtwerks.

Der Riss im Verstand
Ein weiteres zentrales Thema der Vorlage, das auch in der Hörspielfassung sorgfältig behandelt wird, ist die Frage des Wahnsinns beziehungsweise des drohenden Verlusts der geistigen Gesundheit angesichts kosmischer Erkenntnisse, die das menschliche Fassungsvermögen übersteigen. Immer wieder berichten die verschiedenen Figuren, seien es Kultmitglieder, der junge Künstler Wilcox oder der norwegische Seemann Johansen, von einem Zustand zwischen Wachsein und Traum, von Stimmen, die sie zu hören glauben, und von einer diffusen, kaum greifbaren Angst, die sich nicht auf konkrete Ursachen zurückführen lässt. Die sprecherische Umsetzung dieser Zustände gelingt in der vorliegenden Produktion durchweg überzeugend, insbesondere durch den gezielten Einsatz von Tonhöhenschwankungen, kurzen Atempausen und einer bewusst brüchigen, manchmal stockenden Sprechweise, die den inneren Zustand der betroffenen Figuren hörbar macht, ohne dabei ins Übertriebene oder Klischeehafte abzudriften.
Besonders eindrucksvoll gelingt dies bei der Figur des Johansen im zweiten Teil der Doppelfolge, dessen schriftlicher Bericht, den Thurston in dessen Nachlass findet und der im Hörspiel als eine Art innerer Monolog mit Erzählerstimme vorgetragen wird, zunehmend fragmentarischer und gehetzter wird, je näher die Erzählung dem eigentlichen Höhepunkt der Begegnung mit Cthulhu kommt. Diese graduelle Verschlechterung der sprachlichen Kohärenz, die im Originaltext bereits angelegt ist, wird im Hörspiel durch entsprechende stimmliche Nuancen konsequent nachgezeichnet und verstärkt den Eindruck, tatsächlich Zeuge eines Mannes zu werden, dessen geistige Verfassung durch das Erlebte nachhaltig erschüttert wurde.
Weite ohne Grenzen, Zeit ohne Halt
Bemerkenswert an Der Ruf des Cthulhu ist auch die enorme zeitliche und geografische Spannweite, die die Geschichte umfasst. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von knapp zwei Jahrzehnten, von der Kultversammlung in Louisiana im Jahr 1908 über die Träume und Visionen des Jahres 1925 bis hin zu Thurstons eigenen Nachforschungen im Jahr 1926 und 1927. Geografisch reicht der Bogen von den Sumpfgebieten Louisianas über Providence in Rhode Island bis hinaus in den weiten, kaum kartierten Pazifik, wo sich die versunkene Stadt R’lyeh befindet. Diese enorme Weite, sowohl in zeitlicher als auch in räumlicher Hinsicht, trägt maßgeblich zu dem Gefühl bei, das Lovecraft mit seiner Geschichte erzeugen wollte: die Vorstellung eines weltumspannenden, uralten Kultes und einer Bedrohung, die sich jeder lokalen Eingrenzung entzieht.
Die Hörspielfassung begegnet dieser Herausforderung mit einer klugen akustischen Differenzierung der verschiedenen Schauplätze. Die winterliche Kälte und akademische Nüchternheit von Providence unterscheidet sich klanglich deutlich von der schwülen, fast greifbaren Feuchtigkeit der louisianischen Sumpflandschaft, die wiederum einen starken Kontrast zur endlosen, bedrohlichen Weite des offenen Pazifiks bildet, in dem sich die entscheidenden Ereignisse um Johansen und seine Schiffsbesatzung abspielen. Diese klangliche Differenzierung der Schauplätze hilft der Hörerschaft dabei, sich innerhalb der komplexen, über Zeit und Raum verteilten Handlung besser zu orientieren, und trägt so wesentlich zur Verständlichkeit der gesamten Produktion bei.
Vernunft als dünner Firnis
Nicht zu unterschätzen ist auch die Rolle, die Wissenschaft und akademische Institutionen innerhalb der Geschichte spielen. Sowohl der verstorbene Professor Angell als auch Thurston selbst sind Angehörige der akademischen Welt, und auch die Versammlung, auf der Legrasse von seinen Erlebnissen berichtet, findet im Rahmen einer archäologischen Fachgesellschaft statt. Diese wissenschaftliche Rahmung verleiht der Geschichte einen Anschein von nüchterner Sachlichkeit und Glaubwürdigkeit, der im starken Kontrast zu den zunehmend unheimlichen und letztlich unerklärlichen Ereignissen steht, von denen berichtet wird. Gerade dieser Kontrast zwischen der rationalen, geordneten Welt der Wissenschaft und dem darunter lauernden kosmischen Chaos bildet, wie bereits erwähnt, einen der zentralen thematischen Kerne der gesamten Erzählung.
In der Hörspielfassung wird diese wissenschaftliche Rahmung durch die Wahl der Sprecherstimmen und deren Sprechweise zusätzlich unterstrichen. Die älteren, akademisch geprägten Figuren sprechen durchweg in einem ruhigen, überlegten, fast dozierenden Tonfall, der ihre professionelle Distanz und ihren Anspruch auf sachliche Objektivität hörbar macht, selbst wenn die von ihnen berichteten Ereignisse längst jede rationale Erklärung übersteigen. Dieser bewusste Kontrast zwischen nüchterner Sprechweise und zutiefst irrationalem Inhalt gehört zu den subtileren, aber durchaus wirkungsvollen Gestaltungsmitteln der vorliegenden Produktion.
Die Hülle, die das Grauen umschließt
Auch abseits der eigentlichen inhaltlichen und klanglichen Qualitäten lohnt sich ein kurzer Blick auf das Gesamtpaket, in dem diese Doppelfolge veröffentlicht wurde. Wie bei den meisten Gruselkabinett-Veröffentlichungen liegt die Geschichte auf zwei CDs vor, verpackt in einem stimmungsvoll gestalteten Digipak, dessen Coverillustration von Ertugrul Edirne bereits vor dem ersten Hören eine passende düstere Grundstimmung erzeugt. Diese sorgfältige äußere Gestaltung, die sich durch die gesamte Reihe zieht, trägt sicherlich auch dazu bei, dass sich Sammlerinnen und Sammler von phantastischer Literatur und Hörspielen gerne der gesamten Gruselkabinett-Reihe widmen und nicht nur einzelne Folgen herauspicken.
Auch die Begleittexte und Informationen, die üblicherweise den Veröffentlichungen der Reihe beiliegen oder online verfügbar sind, tragen zum Gesamteindruck bei, indem sie kurze biografische Informationen zu Lovecraft selbst liefern und damit auch weniger literaturgeschichtlich versierten Hörerinnen und Hörern einen Zugang zum historischen und biografischen Hintergrund des Autors ermöglichen. Diese begleitenden Informationen runden das Hörerlebnis sinnvoll ab und unterstreichen den Anspruch der Reihe, nicht nur reine Unterhaltung zu bieten, sondern auch einen gewissen bildungsorientierten Mehrwert zu liefern.
Wenn der Ruf verklingt
Mit der Doppelfolge Der Ruf des Cthulhu gelingt Titania Medien eine Adaption, die dem besonderen Status der literarischen Vorlage angemessen Rechnung trägt. Die außergewöhnliche Textnähe, die sorgfältige, kontrastreiche Klanggestaltung und das überzeugende, vielstimmige Sprecherensemble machen die Produktion zu einer der bemerkenswertesten Lovecraft-Adaptionen innerhalb der gesamten Reihe. Gleichzeitig verlangt die verschachtelte, mehrschichtige Erzählstruktur der Vorlage der Hörerschaft ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und Geduld ab, was die Doppelfolge weniger zugänglich macht als manch andere, geradliniger erzählte Gruselkabinett-Veröffentlichung.
Wer sich jedoch auf diese besondere erzählerische Struktur einlässt und ein echtes Interesse am kosmischen Horror Lovecrafts mitbringt, wird mit einer der konsequentesten und respektvollsten Hörspieladaptionen des Cthulhu-Mythos belohnt, die derzeit erhältlich ist. Gerade weil es sich um den zentralen, alles begründenden Text eines der einflussreichsten literarischen Mythen der Moderne handelt, verdient diese Doppelfolge einen besonderen Platz innerhalb der umfangreichen Gruselkabinett-Sammlung und bietet zugleich einen lohnenden, wenn auch fordernden Einstiegspunkt in die unheimliche, kosmisch anmutende Welt, die Howard Phillips Lovecraft vor knapp einhundert Jahren erschaffen hat.
Gruselkabinett – Der Ruf des Cthulhu
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Hörspiel-Details
Produktion & Crew
- Buch Marc Gruppe
- Produktion & Regie Stephan Bosenius & #038; Marc Gruppe
- Cover-Illustration Ertugrul Edirne
- Layout Doreen Enderlein
Sprecher & Rollen
- Chronist Detlef Bierstedt
- Prof. Angell Horst Naumann
- Farbiger Matrose Fabian Oscar Wien
- Mann Julian Tennstedt
- Algernon Blackwood Joachim Tennstedt
- Francis Wayland Thurston Christian Stark
- Mr. Douglas Sascha von Zambelly
- Butler Carter Axel Lutter
- Henry Anthony Wilcox Roman Wolko
- Dr. Tobey Wilfried Herbst
- John Raymond Legrasse Bernd Rumpf
- Prof. William Channing Webb Peter Weis
- Deputy Conners Peter Reinhardt
- Der alte Castro Jochen Schröder
- Orgiast Dirk Petrick
- Orgiast Johannes Bade
- Orgiast Marcel Barion
- Orgiast Kai Naumann
- Dr. Clayton Barnes Uwe Büschken
- Frau Johansen Kristine Walther
- Gustaf Johansen Patrick Bach
- Hawkins Fabian Oscar Wien
- Rodriguez Sascha von Zambelly
- William Briden Jannik Endemann
Verantwortlicher Experte für diesen Artikel:

Sebastian Stelling
Hallo, ich bin Sebastian, der Kopf hinter Audio Dramas Europe. Meine Liebe zu Hörspielen begann schon in den 80er- und 90er-Jahren, als Klassiker wie Die drei ???, TKKG oder Benjamin Blümchen meine ständigen Begleiter waren. Diese Faszination für das akustische Erzählen hat mich nie wieder losgelassen. Heute teile ich meine Leidenschaft auf dieser Plattform und stelle euch Hörspiele aus ganz Europa vor, von bekannten Klassikern bis zu unentdeckten Perlen der Independent-Szene. Dabei verstehe ich mich als Vermittler und Kurator: Ich produziere selbst keine Hörspiele, sondern möchte Brücken bauen, zwischen Fans, Produzenten und Sprechern. Wenn auch du Hörspiele liebst, freue ich mich, dich auf dieser Reise zu begleiten.