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Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch – Das Hörspiel

Manche Geschichten fühlen sich an, als wären sie für das Hörspielformat gebaut worden: klares Zeitfenster, starke Figuren, ein Schauplatz, der akustisch lebt, und ein Countdown, der automatisch Tempo macht. Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch – Das Hörspiel (Silberfisch / Hörbuch Hamburg) nimmt genau diese Vorlage und setzt sie als turbulenten Silvester-Klassiker um – mit viel Wortwitz, ordentlich Kessel-Geblubber und einer Inszenierung, die gleichzeitig Familienunterhaltung und satirisches Märchen ist.

Inhaltlicher Einstieg (Spoilerarm)

Silvester. Die Uhr tickt. Und in der berüchtigten Villa Alptraum wird nicht gemütlich gefeiert, sondern kalkuliert: Beelzebub Irrwitzer, Zauberer mit äußerst fragwürdiger Berufsethik, und seine Tante Tyrannja Vamperl, eine Hexe mit Geldsinn und Biss, haben ein Problem. Ihr Jahressoll an Bosheiten und Katastrophen ist noch nicht erfüllt – und die Instanz, die darüber Buch führt, versteht keinen Spaß. Wenn bis Mitternacht nicht geliefert wird, droht die Quittung.

Die Lösung: ein Gebräu, das schon im Namen wie ein Zungenbrecher aus der Hölle klingt – der Wunschpunsch. Ein Trank, der Wünsche in die Welt setzt, aber eben nicht als kleine, harmlose Ich-wünsch-mir-was-Nummer, sondern als großflächige, gefährliche Kettenreaktion. Während im Labor schon die Flammen knistern und das Rezept nach Chaos schmeckt, mischen sich zwei völlig ungeplante Störenfriede ein: Kater Maurizio und Rabe Jakob, die sich eigentlich nicht ausstehen können, aber aus gutem Grund zusammenarbeiten müssen.

Das Hörspiel lebt dabei von der klaren Konstruktion: ein Abend, ein Countdown, ein Ort, an dem es blubbert, zischt und knallt – und Figuren, die ständig zwischen Selbstüberschätzung, Panik und genialer Improvisation kippen. Genau dieser Mix sorgt dafür, dass die Geschichte auch heute noch funktioniert: als komödiantisches Abenteuer und als bissige Parabel über Gier, Manipulation und die Frage, wie leicht sich Wunsch in Wahn verwandeln kann.

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Was diese Hörspielfassung besonders gut trifft

Viele Adaptionen haben ein Problem: Entweder sie erklären zu viel (und werden behäbig), oder sie hetzen zu sehr (und verlieren Charme). Hier wirkt es eher so, als hätte die Regie bewusst auf rhythmisches Erzählen gesetzt: Dialoge werden als Motor genutzt, Szenen wechseln zügig, und die Bedrohung bleibt permanent im Hintergrund präsent – ohne dass das Hörspiel die Leichtigkeit verliert.

Dazu kommt die Grundstimmung, die typisch Michael Ende ist: Hinter dem Klamauk liegt immer ein Schatten. Irrwitzer und Vamperl sind lustig – aber eben auch gefährlich. Maurizio und Jakob liefern Komik – aber ihre Aufgabe ist ernst. Und über allem hängt die Uhr: Dieser Silvesterabend ist keine Kulisse, sondern die dramaturgische Zündschnur.

Starke Stimmen, klare Charaktere

Was an dieser 2024er Hörspielumsetzung sofort auffällt: Die Produktion kommt mit nur sieben Stimmen aus – und nutzt sie so präzise, dass jede Figur in Sekunden sitzt. Offiziell gelistet sind Jens Wawrczeck, Anja Topf, Hans Löw, Frank Jordan, Matti Krause, Sebastian Blomberg, Jürgen Thormann.

Jens Wawrczeck spielt Irrwitzer nicht als klassischen Bösewicht, sondern als extrem beweglichen Opportunisten: geschniegelt, geschniegelt-panisch, dann wieder eiskalt kalkulierend. Diese ständigen Schaltvorgänge sind wichtig, weil Irrwitzer im Kern eine Figur ist, die dauernd improvisiert – und genau das hört man. Wenn er charmant sein will, klingt er wie eine freundliche Lüge. Wenn er sich überlegen fühlt, wird die Stimme spitzer, kontrollierter. Und wenn ihm der Abend entgleitet, kippt das Ganze in echte Hektik, ohne jemals beliebig zu wirken.

Anja Topf gibt Tyrannja die Mischung aus künstlicher Höflichkeit und blanker Gier, die diese Figur so unterhaltsam macht. Sie klingt wie jemand, der jederzeit lächeln kann – und im nächsten Moment zubeißt. Gerade in den Wortgefechten mit Irrwitzer entsteht ein schönes Machtspiel: mal antreibend, mal abwertend, mal scheinbar liebevoll und dabei maximal manipulativ. Dadurch bekommt Tyrannja mehr als nur Hexe = böse: Sie ist eine treibende Kraft, ein Motor, der das Tempo nach oben schraubt.

Maurizio ist der emotionale Gegenpol zum Labor-Wahnsinn. Frank Jordan spricht ihn mit Wärme und einem leicht genervten Understatement, das super zum Kater passt: nicht hektisch, eher beobachtend, manchmal schnippisch, aber nie bösartig. Das Schöne: Maurizio wirkt nicht wie ein Kinderhörspiel-Tierchen, das nur niedlich sein soll. Er hat Haltung, er hat Stolz, und er muss trotz seiner Bequemlichkeit Verantwortung übernehmen. Diese Wandlung ist stimmlich sehr sauber geführt: am Anfang mehr Ach komm…, später deutlich entschlossener – ohne dass die Figur ihre katzentypische Selbstgefälligkeit verliert.

Jakob ist Lautstärke, Nervosität, Eifer – und damit die ideale akustische Reibefläche. Matti Krause findet dafür eine Stimme, die wirklich rabig klingt, ohne zur Karikatur zu werden: krächzend, schnell, manchmal empört, oft im Alarmmodus. Wichtig ist, dass Jakobs Herz hinter dem Gebrüll spürbar bleibt. Denn Jakob ist nicht einfach nur der aufgeregte Vogel, sondern derjenige, der ständig erinnert: Das hier ist ernst. Dieses Gleichgewicht aus Komik und Dringlichkeit trägt viele Szenen.

Der Erzähler ist in dieser Fassung mehr als ein Ansager zwischen den Szenen. Hans Löw sorgt für Rhythmus und Übersicht, damit der wilde Silvester-Countdown nicht in reines Durcheinander kippt. Seine Stimme gibt der Geschichte einen klaren Rahmen: leicht märchenhaft, aber nicht zu betulich. Gerade bei schnellen Dialogpassagen ist das Gold wert, weil der Erzähler den Zuschauer kurz einatmen lässt, ohne das Tempo zu bremsen.

Maledictus Made ist eine Nebenfigur mit maximaler Wirkung: Sobald er auftaucht, verändert sich die Luft im Raum. Sebastian Blomberg spielt ihn nicht als brüllenden Dämon, sondern als kultivierte Drohung – freundlich genug, dass es unheimlich wird. Diese Figur steht für den Vertrag, für das gnadenlose Abrechnen, für die Konsequenz hinter dem ganzen Klamauk. Gerade deshalb funktioniert die Rolle so gut: Maledictus muss nicht viel Zeit haben – seine Präsenz reicht.

Sankt Silvester bringt eine andere Art von Gewicht rein: nicht höllisch-bedrohlich, sondern würdig, fast feierlich, wie eine Instanz, die über dem Trubel steht. Jürgen Thormann gibt der Figur Gravitas, eine ruhige Autorität, die zum Silvester-Setting passt – als würde plötzlich der eigentliche Ernst dieses Abends sichtbar. Dadurch bekommt die Geschichte eine zweite Ebene: Neben Kessel, Gags und Eskalation steht da auf einmal etwas Zeitloses, wie ein moralischer Kompass – ohne dass das Hörspiel in Predigt kippt.

Die weiteren Stimmen runden das Ensemble ab und geben dem Hörspiel zusätzliche Farbigkeit – ohne dass es überbesetzt wirkt. Bei einer Geschichte, die stark auf Tempo und Dialog setzt, ist das wichtig: Jede Figur muss sofort erkennbar sein, sonst wird es in der Hektik unübersichtlich. Das gelingt hier sehr gut.

Regie, Tempo und Hörspiellogik

Inszeniert wurde das Hörspiel von Frank Gustavus. Was dabei auffällt: Die Regie scheint konsequent darauf zu achten, dass jede Szene einen akustischen Haken hat – also ein Geräusch, eine Bewegung, ein kleines Chaos-Element, das die Dialoge nicht einfach nur begleitet, sondern antreibt. Dadurch wirkt das Ganze selten wie Theater mit Mikrofon, sondern wie ein echtes Hörabenteuer.

Auch die Hörspiellogik passt: Statt alles auszuerzählen, wird viel über Spiel, Timing und Klang vermittelt. Wenn Figuren in Stress geraten, wird das nicht nur gesagt – man hört es in Atem, in kleinen Pausen, im Übereinanderreden, im abrupten Umschalten von charmant auf panisch. Und weil das Setting ein Labor ist, darf es auch permanent arbeiten: brodeln, zischen, knacken, klirren.

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Kessel, Feuer, Magie – ohne Überladung

In der offiziellen Beschreibung wird die Produktion ausdrücklich mit Feuerknistern, Zaubertrankbrodeln und geheimnisumwobener Musik beworben; die Musik stammt von Jan-Peter Pflug.

Gerade bei Kinder- und Familienhörspielen ist das eine Gratwanderung: Zu wenig Sound, und die Magie verpufft. Zu viel Sound, und die Stimmen werden erschlagen. Hier wirkt es (auch laut Jurytext zum Deutschen Hörbuchpreis) wie eine bewusst gesetzte Mischung aus Soundkulisse, kreativen Effekten und musikalischer Untermalung, die die märchenhafte, turbulente Welt lebendig macht.

Das Entscheidende ist: Die Effekte sind nicht nur Dekoration. Das Labor klingt nach Gefahr im Haushalt, nach etwas, das jeden Moment überkochen kann. Dieses konstante Arbeiten im Hintergrund verstärkt den Countdown, ohne dass eine Stimme ständig Wir haben keine Zeit! schreien muss. Und die Musik setzt eher Akzente – sie markiert Stimmung, wechselt zwischen geheimnisvoll, komisch und leicht bedrohlich, bleibt aber im Dienst der Szene.

Silvester als Druckkochtopf

Silvester ist hier nicht die Party, sondern der Druckkochtopf. Das macht die Geschichte zeitlos, weil jeder das Gefühl kennt, bis zu einer Deadline liefern zu müssen – egal ob im Job, privat oder im eigenen Kopf. Michael Ende verpackt das als Märchen mit Hexen und Zauberern, aber der Kern ist erstaunlich modern: Leistungsdruck, Angst vor Konsequenzen, das schnelle, dreckige Ich-bieg-mir-die-Welt-hin-Denken.

Das Hörspiel zieht daraus Atmosphäre. Es ist lustig, ja – aber es ist ein Lachen mit leichtem Kribbeln. Irrwitzer und Vamperl sind so überzeichnet, dass man sie genießen kann, ohne sich schmutzig zu fühlen. Gleichzeitig bleibt klar: Wenn die beiden gewinnen, wird es richtig übel. Genau diese Balance – Klamauk plus Bedrohung – macht den Wunschpunsch seit jeher so stark.

Gier, Deals, Verantwortung – und der Preis von Wünschen

Im Kern ist der Wunschpunsch ein Silvesterabenteuer mit Kessel, Chaos und knalligen Dialogen – aber unter der Oberfläche arbeitet ein erstaunlich ernstes Themenpaket. Michael Ende spielt hier mit einem Gedanken, der sofort sitzt: Wünsche sind nicht automatisch gut, nur weil sie Wünsche heißen. In dieser Geschichte sind sie ein Werkzeug, eine Abkürzung, ein Trick. Wer sie ausspricht, will nicht nur etwas haben – er will die Welt in eine Richtung schubsen. Und genau damit beginnt die Frage nach dem Preis.

Das erste große Motiv ist Gier. Tyrannja Vamperl steht dafür wie ein greller Leuchtturm: Sie will mehr, immer mehr, und zwar nicht, weil sie es braucht, sondern weil sie es kann. Gier wird hier nicht als stilles Laster gezeigt, sondern als Antrieb, der ständig nachlegt: noch ein Vorteil, noch ein Gewinn, noch ein Schritt weiter. Und weil Gier nie satt ist, wirkt sie im Hörspiel wie ein ständiger Beschleuniger. Sobald eine Idee funktioniert, wird sofort nach dem nächstgrößeren Effekt gegriffen. Das macht die Figur unterhaltsam – aber es macht auch klar: Gier ist nicht nur unfreundlich, sie ist gefährlich, weil sie keine Bremse kennt.

Eng damit verbunden ist das Motiv der Deals. Im Wunschpunsch wird das Böse nicht als reines Monster dargestellt, sondern als Geschäftsmodell: Abmachungen, Quoten, Abrechnung, Druck von oben. Das ist satirisch, aber auch ziemlich treffend. Die Geschichte zeigt, wie schnell Moral zur Verhandlungsmasse wird, wenn man sie in Verträge packt. Ein Deal klingt sauber, logisch, regelkonform – und genau deshalb kann er so verführerisch sein. Wer im Stress steckt, unterschreibt innerlich Dinge, die er sonst nie akzeptieren würde. Und plötzlich wird das eigene Handeln nicht mehr an richtig oder falsch gemessen, sondern an lohnt sich oder lohnt sich nicht. Das Hörspiel macht daraus Tempo und Komik, aber der Unterton bleibt: Wer alles zur Transaktion macht, verkauft irgendwann auch Verantwortung.

Das dritte zentrale Thema ist eben diese Verantwortung – und zwar nicht als Moralkeule, sondern als konkrete Konsequenz. Der Wunschpunsch verspricht eine schnelle Lösung, eine Abkürzung, einen eleganten Ausweg aus dem drohenden Ärger. Doch Abkürzungen haben Nebenwirkungen. Das Hörspiel führt sehr schön vor, dass Wünschen nicht im luftleeren Raum stattfindet. Jeder Wunsch, der auf maximale Wirkung zielt, trifft nicht nur die Zielscheibe, sondern verteilt Kollateralschäden. Das ist der eigentliche Horror hinter dem Klamauk: Nicht das Brodeln im Kessel ist schlimm, sondern die Idee, dass jemand die Welt nach Laune umschreibt – ohne Rücksicht darauf, wer darunter leidet.

Dabei spielt die Erzählung auch mit dem Motiv des Zeitdrucks. Silvester ist hier mehr als Kulisse, es ist eine Art Druckkammer. Unter Zeitdruck schrumpfen Werte zusammen, Prioritäten kippen, und der Wunsch nach Kontrolle wird größer. Wenn die Uhr tickt, wirkt jede schnelle Lösung plötzlich legitim. Das ist menschlich – und genau deshalb funktioniert die Geschichte so gut: Man erkennt diesen Mechanismus aus dem Alltag. Nicht mit Zaubertrank, aber mit Ich muss noch schnell… oder Hauptsache, die Deadline ist geschafft. Der Wunschpunsch übersetzt dieses Gefühl in eine grelle Fantasiewelt und macht sichtbar, wie gefährlich es wird, wenn Zeit sparen wichtiger wird als richtig handeln.

Ein weiteres Motiv ist Manipulation. Irrwitzer und Vamperl sind nicht nur böse, sie sind rhetorisch stark. Sie drehen Sätze, verdrehen Regeln, schieben Schuld. Das Hörspiel zeigt damit, wie Manipulation oft funktioniert: nicht durch offene Gewalt, sondern durch Sprache, Charme, Drohung, Ablenkung. Wer die Worte kontrolliert, kontrolliert die Deutung der Realität. Und wer Deutung kontrolliert, kann sehr viel durchsetzen, ohne dass es sich wie Zwang anfühlt. Die Geschichte macht daraus Wortduelle und komische Eskalationen – aber sie legt nebenbei eine kleine Lektion frei: Aufpassen, wenn jemand ständig erklärt, warum etwas eigentlich ganz harmlos ist.

Dem gegenüber stehen Maurizio und Jakob als Motiv der unwahrscheinlichen Allianz. Zwei Figuren, die sich reiben, nerven, provozieren – und gerade dadurch stark werden. Das ist mehr als Kinderhörspiel-Duo-Mechanik. Es erzählt, dass Verantwortung selten bequem ist. Man muss mit Leuten klarkommen, die einem auf die Nerven gehen, man muss handeln, obwohl man lieber wegschauen würde, und man muss sich manchmal gegen die Logik der Mächtigen stellen. Diese Gegenseite ist wichtig, weil sie zeigt: Moral ist nicht nur eine innere Haltung, sondern eine Entscheidung in der Praxis. Nicht ich bin gut, sondern ich tue etwas.

Und dann ist da der große, leise Kern: der Preis von Wünschen. Der Wunschpunsch steht für die Versuchung, komplexe Probleme mit einem einzigen Schlag lösen zu wollen. Ein Satz, ein Schluck, und alles ist erledigt. Aber die Geschichte macht klar: Wenn man die Welt so behandelt, als wäre sie ein Schalter, übersieht man, dass sie ein Netz ist. Zieht man an einer Stelle, reißt es woanders. Das gilt für Natur, für Gesellschaft, für Beziehungen – und auch für das eigene Gewissen. Der Preis ist dabei nicht nur Schaden, sondern auch Verrohung: Wer oft genug wünscht, um sich Vorteile zu verschaffen, verlernt, die Folgen mitzudenken. Und irgendwann ist der Wunsch nicht mehr Hoffnung, sondern Herrschaft.

Genau deshalb wirkt Der Wunschpunsch trotz Komik und Tempo erstaunlich aktuell. Er ist eine Geschichte über Macht, über den Reiz der Abkürzung, über Deals, die zu schön klingen, und über den Moment, in dem man merkt: Manche Wünsche sind nicht zu teuer, weil sie schwer zu erfüllen sind – sondern weil sie zu leicht gehen.

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Mögliche Kritikpunkte

So viel Schwung, Wortwitz und akustische Zauberei das Hörspiel auch hat – gerade weil diese Fassung sehr klar auf Tempo und Effekt setzt, gibt es ein paar Punkte, die je nach Hörgewohnheit nicht bei jedem gleich gut landen. Das beginnt schon bei der Grundenergie: Diese Inszenierung ist nahezu permanent in Bewegung. Dialoge, Geräusche, kleine Zwischenaktionen im Labor und der Silvester-Countdown halten den Puls hoch. Wer Hörspiele gern als ruhige Begleitung hört, vielleicht nebenbei beim Putzen oder abends zum Runterkommen, könnte das als zu quirlig empfinden. Das Stück will Aufmerksamkeit, es möchte, dass man dranbleibt – und wenn man dafür gerade nicht in der Stimmung ist, wirkt der Trubel schnell anstrengender als unterhaltsam.

Eng damit verbunden ist die Frage nach der Klangdichte. Das Setting bietet natürlich eine Steilvorlage: brodelnde Kessel, zischende Flammen, klirrendes Glas, magische Effekte. In dieser Umsetzung wird das auch konsequent genutzt, was grundsätzlich ein Plus ist. Aber wer empfindlich auf sehr präsente Geräuschkulissen reagiert, kann das zeitweise als zu viel wahrnehmen – nicht unbedingt, weil die Effekte schlecht wären, sondern weil die akustische Bühne stark gefüllt ist. Gerade bei schneller Sprechweise und gleichzeitig aktiver Geräuschkulisse kann es passieren, dass man als Hörer kurz nachjustieren muss, um alles sauber zu verfolgen. Das ist nicht dramatisch, aber es ist eine typische Geschmackssache: Manche lieben genau diese lebendige Überfrachtung, andere bevorzugen mehr Luft zwischen Dialog und Effekt.

Auch der Humor ist bewusst überzeichnet. Figuren wie Irrwitzer und Tyrannja sind groß angelegt, die Dialoge pointiert, das Verhalten eskaliert oft in Richtung Slapstick und satirische Karikatur. Wer den Wunschpunsch als eher düsteres, märchenhaft-bedrohliches Stück im Kopf hat, könnte sich wünschen, dass die Inszenierung an manchen Stellen etwas länger im Unheimlichen verweilt, statt sofort wieder in die nächste Gag-Spirale zu springen. Die Produktion setzt klar auf die Mischung aus Klamauk und Bedrohung – und nicht jeder mag, wenn sich diese beiden Ebenen so dicht jagen.

Dazu kommt, dass ein Hörspiel – anders als eine Lesung – zwangsläufig verdichten muss. Die Geschichte ist klar und funktioniert auch in dieser Form sehr gut, aber wer die Buchvorlage sehr präsent hat, merkt möglicherweise hier und da, dass Übergänge straffer ausfallen oder bestimmte Feinheiten schneller mitlaufen, statt ausführlich ausgebreitet zu werden. Das betrifft weniger die Handlung an sich, sondern eher Nuancen: kleine Beobachtungen, die im Text mehr Raum haben, werden im Hörspiel öfter in Tempo übersetzt. Für viele ist das genau richtig, weil der Silvester-Countdown dadurch knackig bleibt – für andere kann es sich anfühlen, als würde man ab und zu gern noch einen Moment länger in einer Szene bleiben.

Ein weiterer Punkt ist die Zielgruppenbalance. Die Altersempfehlung ab etwa zehn passt, weil Sprache, Dynamik und Themen nicht zu simpel sind – aber das bedeutet auch: Für jüngere Kinder kann das Hörspiel stellenweise recht komplex wirken, nicht wegen brutaler Inhalte, sondern wegen der schnellen Dialogwechsel, der vielen Begriffe und dem permanenten Um-die-Ecke-Denken. Umgekehrt könnten Erwachsene, die vor allem auf subtile Satire hoffen, an wenigen Stellen das Gefühl haben, dass der Humor manchmal bewusst kindgerecht laut arbeitet. Das ist keine Schwäche, eher ein Spagat, den Familienhörspiele immer machen müssen – und je nachdem, aus welcher Richtung man kommt, fällt das Urteil anders aus.

Schließlich ist da noch ein ganz praktischer Punkt: Der Wunschpunsch ist eine Geschichte, die stark vom Countdown lebt. Das ist dramaturgisch super, kann aber auch heißen, dass man nicht jede Szene gleich gut häppchenweise hören kann. Wenn man oft unterbricht, verliert die Spannungskurve schneller, weil das Stück darauf ausgelegt ist, in einem Rutsch Richtung Mitternacht zu marschieren. Wer also eher in kurzen Etappen hört, merkt möglicherweise, dass der Flow am besten trägt, wenn man dem Abend am Stück folgt.

Unterm Strich sind das alles keine objektiven Mängel, sondern typische Reibungspunkte eines sehr aktiven, sehr szenischen Hörspiels: viel Tempo, viel Klang, viel Überzeichnung, klare Verdichtung. Wer genau das liebt, bekommt eine Produktion, die knallt. Wer es leiser, luftiger oder subtiler mag, wird eher einzelne Elemente kritisch sehen – ohne dass das Hörspiel dadurch grundsätzlich schlechter wäre.

Ein Silvester-Hörspiel, das knallt – und trotzdem Herz hat

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch – Das Hörspiel ist eine Produktion, die genau weiß, was sie sein will: ein rasantes, komisches, leicht düsteres Familienhörspiel mit klarer Deadline, starken Stimmen und einer Klangkulisse, die das Labor zur Hauptfigur macht. Die Besetzung trifft den Ton zwischen Gift und Spaß, die tierischen Gegenspieler bringen Wärme und Witz hinein, und das Sounddesign sorgt dafür, dass der Silvesterabend akustisch wirklich lebt.

Dass das Hörspiel zudem beim Deutschen Hörbuchpreis 2025 in der Kategorie Bestes Hörspiel nominiert war, passt zu diesem Eindruck: Hier steckt hörbar viel Liebe für Timing, Effekte und Spiel drin – ohne den Kern der Geschichte zu verlieren.

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch – Das Hörspiel

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Über den Autor

Sebastian Stelling

Redakteur

Moin, ich bin Sebastian. Auf audiodramaseurope.de sammle ich die besten europäischen Hörspiele, schreibe ehrliche Reviews, führe Interviews und zeige dir, wo du alles legal hören kannst.

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